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Kreiszeitung Wesermarsch 24.08.2010
Vorbei an wilden Gärten und Gemäuern
Lyriklesung im Museum: Autorin Siegrid Schwengber nimmt ihre
Zuhörer mit auf eine Gedankenreise
VON TINA DITTMANN
BRAKE. "Der Mensch zerfällt in zwei Teile: In einen
männlichen, der nicht denken will, und in einen weiblichen,
der nicht denken kann. Beide haben sogenannte Gefühle;
man ruft diese am sichersten dadurch hervor, dass man gewisse
Nervenpunkte des Organismus in Funktion setzt. In diesen Fällen
sondern manche Menschen Lyrik ab", zitierte die Oldenburger
Autorin Siegrid Schwengber Kurt Tucholsky zu Beginn ihrer
Lesung "Gedankenreisen" im Borgstede- und Becker-Haus.
Beeindruckt lauschten die Zuhörer den melancholischen
oder manchmal auch überraschend fröhlichen und sinnlichen
Lyriktexten der ehemaligen Wirtschaftsjournalistin. Begleitet
wurde die Lesung von der Braker Jazzformation Projekt VII.
Die Bandbreite der Lyriktexte von Siegrid Schwengber ist breit.
Manche sind sehr melancholisch, reflektieren die Endlichkeit
von Gefühlen. Andere sind eher witzig, beschreiben mit
einem Augenzwinkern Befindlichkeiten und Attitüden großer
und kleiner Helden.
Seufzende Steine
Die Gedankenreise führte die Zuhörer in Brake vorbei
an wilden Gärten, in denen alte Gemäuer der Zeit
trotzen, und seufzenden Steinen, die wünschten, eine
Feder zu sein, an viele Orte. Siegrid Schwengber verweilte
an der menschenleeren winterlichen Promenade auf Borkum, genoss
den Oktober auf dem Darß oder steuerte Sehnsuchtsziele
unter der Sonne Mexikos an. "Die Lyrik, sagte Siegrid
Schwengber, sei das überlebensnotwendige Gegengewicht
zur Sachlichkeit des Wirtschaftsjournalismus. Ursprünglich
waren ihre Gedichte nicht für andere bestimmt. Doch als
eines würdig befunden wurde, in eine Anthologie der Nationalbibliothek
des deutschsprachigen Gedichtes aufgenommen zu werden, schöpfte
sie Mut. Nachdem ihre Kinder aus dem Haus waren widmete sich
Siegrid Schwengber ganz der Poesie.
Westfälische Rundschau 8. Januar 2010
POETEN IM SIEGERLAND
Die Wilnsdorferin Maria Flender schreibt seit 1985 Gedichte
- Vertrautes wird verfremdet und Fremdes wird vertraut
Inspiriert "Vom weißen waagerechten Wald"
Knut Lohmann
Wilnsdorf. Eines Morgens im Jahre 1985 hatte Maria FIender
aus Wilnsdorf ein Erlebnis, das ihr weiteres Leben prägte:
Das erste Gedicht war da. Sie fühlte sich regelrecht
überfallen - überfallen vom Schreiben. Das machte
sie glücklich, aber auch unglücklich. Seitdem schreibt
sie, die bislang nur gemalt hatte. So wurde sie Lyrikerin.
Bis heute ist es so: Oft wird ihr die erste Zeile eines Gedichtes
geschenkt. "Vom weißen waagerechten Wald"
war ihr eingefallen, als sie am Morgen durch die Winterlandschaft
von Wilnsdorf nach Siegen fuhr. Die weiteren Verse entstehen,
durch "Suche im Ungefrorenen" oder - etwas technischer
ausgedrückt durch anhaltende Arbeit an der Sprache, bei
der es auch darauf ankommt, jene Art von Kürze zu finden,
die kein Geschwafel erlaubt.

Sprachhandwerk gemeinsam lernen
Sprachhandwerk, soweit noch nötig, lernt sie im Bentlager
Kreis mit anderen Autoren unter Anleitung des Schriftstellers
Frank Sporkmann. Hier erfährt sie auch menschliche Anregungen
und die Ermutigung, die Lyriker brauchen, um nicht in der
Isolation zu ersticken. Denn wenngleich es ihr sehr wichtig
ist, dass andere Menschen etwas mit dem anfangen können,
was sie schreibt: Es sind nur
wenige, die den Zugang finden zu einer Lyrik, die sich hohen
Ansprüchen verpflichtet fühlt, nämlich zum
Dienst an der Schönheit.
Maria Flenders Gedichte wirken deswegen nicht blutleer oder
abstrakt - im Gegenteil: Sie sind voller Sinnlichkeit, ja
sogar voller Erotik. Aber es ist feinnervige Sinnlichkeit,
die, sich hier ausdrückt, in der das Leben pulsiert,
aber kaum Wonnen der Gewöhnlichkeit Ausdruck finden.
Erlebnisse von früher verbergen sich in den Zeilen, Wunschträume
entbergen sich im Gesagten.
Metaphern voller Überraschungen
"Aufgeleckter Goldbesitz / in eine Höhle getragen
/ den Vorrat verdunkelt" - das sind die ersten drei Zeilen
eines Gedichtes, das Flender "Zeit" betitelt, hat:
befremdliche Wortfügungen, Ausdruck sinnlicher Einverleibung
eines Schatzes, den die Dichterin. vor anderen verbergen möchte,
um ihn nicht preisgeben zu müssen. Es geht weiter und
schließt: ,,Bisweilen / trenne ich eine Scheibe ab /
zerbrechlich wie Alabasterglas" - mutig gewählte
Metaphern stecken voller Überraschungen und fügen
sich doch artig zum Ganzen: Fremdes soll in ihrer Lyrik vertaut
und Vertrautes verfremdet werden. Vertrautes und Fremdes sollen
die Plätze tauschen. Und was sich einschmeicheln möchte,
wird in Frage gestellt: dem Vers "... silbermilde, geigt
die Nacht" folgen im Gedicht "Juni" die Zeilen
"Als der Morgen steigt / ertönt Uhu-Ruf verwirrend
hohl". Maria Flender veröffentlicht ihre Gedichte
in Anthologien oder in den Jahrbüchern des Bentlager
Kreises, dessen jüngstes ,,Brücken über Gletscherspalten"
tituliert ist. Oder sie macht sie in Lesungen bekannt. "Weitergeht
die Reise / in fernes Land / Weit und breit nicht deine Stadt"
(aus "Episode").
Die Glocke - Juli 2009
"Alltagsmenschen"-Lyrikwettbewerb
Schwierige Entscheidung
Rheda-Wiedenbrück (wi).
Die Preisträgerin des Gedichts des Monats Juni beim "Alltagsmenschen"-Wettbewerb
rund um die Skulpturen der Künstlerin Christel Lechner
heißt Annegret Hollenhorst aus Spexard. Sie war bereits
im Jahr 2008 im Prosawettbewerb mit einer Kurzgeschichte erfolgreich
gewesen.
16 Gedichte, Sonette, Stanzen, Volksliedhaftes (in Chevy-Chase,
Vagantenstrophe und abgeleiteten Formen) sind für den
Juni zur Auswahl des Monats-Gedichts eingegangen. Die Jury
um den Leiter der Volkshochschule Reckenberg-Ems, Dr. Rüdiger
Krüger, tagte lange. Sie habe laut gelesen, gelacht,
verworfen, den Kopf geschüttelt, sich gewundert, war
zu erfahren. Es sei schwierig gewesen, eine Entscheidung zu
treffen.
Annegret Hollenhorst lieferte die dreistrophige Stanze "Loreley
Ir" ab. Rhythmisch nehme das Gedicht den Schwung dieser
Vers art mit den mehrfach gedoppelten Reimklängen auf,
urteilten die Juroren. Und weiter: Ohne die Sprache zu verbiegen,
finde die Autorin die Balance zwischen moderner Sprache und
leicht gehobenern, an die Romantik anklingendem Sprechen.
Das sei eine Ausdrucksweise, die auch auf den Inhalt verweise.
Die Jury: "Hier geht die innere Reflexion des eigenen
künstlerischen Schreibvermögens über in einen
inneren Dialog mit den Alltagsmenschen, um sich schlussendlich
in üppigen weiblichen Formen zu verlieren, Heinrich Heine
einen Wink über die Jahrhunderte zuwerfend." Die
Preisträgerin habe ein in seiner Form, seinem Aufbau
und seiner inhaltlichen Konsequenz ausgesprochen schönes,
gelungenes Gedicht abgeliefert.
Auf Platz zwei landeten Franziska Röchter mit dem frech-flotten
Tanz-Sonett "Courante" und Dietlind Brödel-Waschke
ebenfalls mit einem allerdings etwas verhalteneren Sonett
"Stilles Funkeln". Platz drei sicherten sich Urte
Wagner, mit dem balladenartigen Volkslied "Tristan und
Isolde und Herr König" und der Mai-Gewinner Gerhard
Waschke mit der dreistrophigen, augenzwinkernden Stanze "Dreierlei
Eindrucksfantasien".

LORELEY II: DAS SIEGERGEDICHT
VON ANNEGRET HOLLENHORST
Von einer kleinen Stadt in Ostwestfalen
erzählt man sich in jüngster Zeit Geschichten.
Zwar - leider - fehlt mir das Talent zum Malen,
doch das Talent zum Schreiben fehlt mitnichten;
wie "Alltagsmenschen" trotzen dem Banalen,
davon möchte ich euch schriftlich hier berichten.
Indes, die Qual der Wahl nun zu bezwingen,
fiel schwer, doch Schweres liegt in vielen Dingen.
Von den Betonfiguren angezogen,
ging meine Fantasie nun auf die Reise.
Dann habe ich verworfen und erwogen,
dann sprachen sie mit mir, mal laut, mal leise,
und nichts in ihren Gesten war erlogen,
und jede rührte mich auf ihre Weise,
bis mich die eine schließlich so betörte,
dass ich im Geist ein altes Volkslied hörte:
Auf einer Bank, gar lieblich hingegossen,
liegt eine Jungfrau unter Rosendüften.
Auf ihrer Nase sprießen Sommersprossen,
und in den Himmel ragen ihre Hüften,
ein jeder Jüngling sei in sie verschossen, .
das zwitschern selbst die Spatzen in den Lüften.
Wenn diese dralle Jungfrau säß, am Rheine,
wär sie ein trefflich Werk für Heinrich Heine!
Westfalen-Blatt Nr. 163 - Freitag, 17. Juli 2009
Dichterischer Balanc -Akt
in drei Strophen
Annegret Hollenhorst aus Spexard gewinnt mit ihrem Gedicht
über die Alltagsmenschen den Juni-Wettbewerb
Rheda-Wiedenbrück (WB/de).
Die Preisträgerin des Gedichts des Monats Juni beim Alltagsmenschen-Wettbewerb
rund um die Skulpturen der Künstlerin Christel Lechner
heißt Annegret Hollenhorst aus Spexard. Sie war bereits
im Jahr 2008 im Prosa-Wettbewerb erfolgreich und hat ihr Schreibtalent
auch schon überregional preisgekrönt bewiesen.
16 Gedichte, Sonette, Stanzen, Volksliedhaftes (in Chevy-Chase-,
Vagantenstrophe und abgeleiteten Formen) sind für den
Juni zur Auswahl des Monats-Gedichts eingegangen. Die Jury
tagte lange. Sie hat laut gelesen, gelacht, verworfen, den
Kopf geschüttelt, sich gewundert. Es war schwer, denn
die Spitze war eng und doch galt es bei aller schwierigen
Suche zu entscheiden.
Annegret Hollenhorst lieferte die dreistrophige Stanze "Loreley
II" ab. Rhythmisch nimmt das Gedicht den Schwung dieser
Versart mit den mehrfach gedoppelten Reimklängen auf.
Ohne die Sprache zu verbiegen, findet sie die Balance zwischen
moderner Sprache und leicht gehobenem, an die Romantik anklingenden
Sprechen; einer Ausdrucksweise, die auch auf den Inhalt verweist.
Hier geht die innere Reflexion des eigenen künstlerischen
Vermögens "Schreiben", über in einen inneren
Dialog mit den Alltagsmenschen, um sich schlussendlich in
üppigen weiblichen Formen zu verlieren; Heinrich Heine
einen Wink über die Jahrhunderte zuwerfend. Ein in seiner
Form, seinem Aufbau und seiner inhaltlichen Konsequenz ausgesprochen
schönes, gelungenes Gedicht.
Auf Platz zwei landeten Franziska Röchter mit dem frech-flotten
Tanz-Sonett "Courante" und Dietlind Brödel-Waschke
ebenfalls mit einem allerdings etwas verhalteneren Sonett
"Stilles Funkeln". Auf Platz drei sicherten sich
Urte Wagner, mit dem balladenartigen Volkslied "Trist
an und Isolde und Herr König" und der Mai-Gewinner
Gerhard Waschke mit der dreistrophigen, augenzwinkern
den Stanze "Dreierlei Eindrucksfantasien" den Erfolg.
Für die Jury gratulierten Dr. Rüdiger Krüger
von der VHS und die Künstlerin Christel Lechner, gemeinsam
mit Ute Ehlert von der 3C Gruppe der Preisträgerin und
den Platzierten. Sie sind auch schon sehr gespannt auf das
Juli-Gedicht.
Alltagsmenschen-Schreibwettbewerb
Spexarderin hat Erfolg mit "Marthas
Modelmaße"
Rheda-Wiedenbrück (rob). "Die Geschichte ist
gut aufgebaut und toll erzählt": Volkshochschulleiter
Dr. Rüdiger Krüger hat bei der Prämierung der
schönsten "Alltagsgeschichte" vom Juli die
Arbeit von Annegret Hollenhorst herausgehoben. Die Spexarderin
hatte mit einer Kurzgeschichte unter dem Titel "Marthas
Modelmaße" die Kurven der Alltagsmenschen thematisiert.
"Unheimlich reizvoll", urteilt auch Alltagsmenschen-Künstlerin
Christel Lechner.
Schnell war der Jury, bestehend aus Dr. Krüger und Lechner,
klar, dass die Preisverleihung vor der mit ihren Pfunden so
herrlich wuchernden "Ariadne" stattfinden müsse.
"Ich hatte beim Lesen die Ariadne stets vor Augen",
erzählte Dr. Krüger. Insgesamt gingen in der dritten
Runde des Schreibwettbewerbs 13 Beiträge ein. Vorsiegerin
Franziska Röchter landete dieses Mal auf Rang drei.
Annegret Hollenhorst, die gleich mit ihrer ersten "Alltagsgeschichte"
Erfolg hatte, darf als geübte Autorin bezeichnet werden.
"Es macht mir Spaß mit Worten zu gestalten",
erklärt die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und
heutige Hausfrau. Gewöhnlich schreibe sie indes eher
Lyrik, sagte die Gütersloherin: "Kurzgeschichten
sind für mich deshalb schon etwas Besonderes." In
Gütersloh hat Hollenhorst mit anderen Autoren einen Lyrikreis
gegründet, mit dem sie gelegentlich Lesungen veranstaltet
oder Jahrbücher herausbringt. Die Prämierung bei
den Alltagsmenschen war bereits ihre zweite Auszeichnung.
2003 hatte sie beim Wettbewerb der nationalen Bibliothek Deutscher
Gedichte in München einen Preis gewonnen.
Die vierte Runde des Literaturwettbewerbs läuft gerade.
Bis morgen, Freitag, nimmt Dr. Krüger dafür noch
Kurz- oder Mikrogeschichten per E-Mail entgegen. Die Kurzgeschichten
sollen in einem engen Bezug zu einer speziellen Figur oder
einer Figurengruppe der Lechner-Skulpturen stehen. ,.Das können
witzige, skurrile Begebenheiten sein. romantische Liebesgeschichten
oder wirre Träumereien", so Dr. Krüger.
Bis Ende September läuft der von 3C-Gruppe und Volkshochschule
Reckenberg-Ems gemeinsam. ausgeschriebene Wettbewerb. Aus
allen eingesendeten Kurzgeschichten wird im Oktober die "Alltagsgeschichte
2008" ausgewählt und im Rahmen einer Veranstaltung
mit einer Lesung herausragender Mikrogeschichten der Öffentlichkeit
vorgestellt. Für die Monatssieger und für den Autor
der "Alltagsgeschichte 2008" sind kleine Lechner
Kunstwerke als Siegprämien ausgelobt.
E-Mail: W ruediger.krueger@vhs-re.de
Kurze Geschichte über reizvolle Kurven
Gewinnerin schreibt "Marthas Modelmaße"
Rheda-Wiedenbrück (NW). "Die Geschichte ist gut
aufgebaut und toll erzählt" Dr. Rüdiger Krüger,
VHS-Leiter, lobt die "Alltagsgeschichte" von Annegret
Hollenhorst Die Gütersloherin hat mit der Kurzgeschichte
"Marthas Modelmaße" Kurven thematisiert. "Unheimlich
reizvoll", urteilt die Künstlerin Christel Lechner
über das Werk. Den beiden Juroren war schnell klar, dass
der Preis für Juli vor der mit ihren Pfunden wuchernden
Ariadne sein müsse. "Ich hatte sie beim Lesen stets
vor Augen", so Krüger. Insgesamt gingen in der dritten
Runde 13 Beiträge ein.
Hollenhorst darf als geübte Autorin bezeichnet werden.
"Es macht mir Spaß mit Worten zu gestalten",
erklärt die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und
Hausfrau ihr Faible. Gewöhnlich schreibe sie eher Lyrik.
"Kurzgeschichten sind für mich deshalb etwas Besonderes."
In Gütersloh hat Hollenhorst mit anderen einen Lyrikkreis
gegründet, mit dem sie Lesungen veranstaltet oder Jahrbücher
herausbringt.
Bis Ende September läuft der Wettbewerb von 3C Gruppe
und VHS. Texte nimmt der VHS-Leiter entgegen unter ruediger.krueger@vhs-re.de.

Ariadne schaut zu: Ute Ehlert (3C Gruppe l.) und Dr. Rüdiger
Krüger gratulieren Annegret Hollenhorst mit einem Blumenstrauß.
FOTO: NW
Gelungene Mixtur aus Lyrik und Jazz
Musikalisch begleitete Lesung im Spexarder Bauernhaus
Gütersloh (msc). Der dritte literarische Abend des Heimatvereins
Spexard war einer der besonderen und heiteren Art. Die heimische
Lyrikerin und Dichterin Annegret Hollenhorst gab auf dem Fleet
des Bauernhauses Lyrik und Prosa aus eigener Feder zum Besten.
Zur Freude des Veranstalters fand sich eine stattliche Zuhörergemeinde
im Fachwerkhaus ein.
Mit Lyrik, Prosa und Musik hatten Annegret Hollenhorst und
Saxophonist Benedikt Hensdiek aus Friedrichsdorf den Nerv
des Publikums getroffen. Die Zuhörer bedankten sich nach
knapp 90 Minuten mit lautem Beifall, denn sie hatten einen
humorvollen Abend erlebt und wurden in den kurzen Hörpausen
mit leichter und sanfter Jazzmusikverwöhnt.
Die Themen der Gedichte und Kurzgeschichten spannten sich
von Urlaubsimpressionen, romantischer Naturlyrik der Jahreszeiten
und zynischer Gesellschaftskritik zu Kriegen auf dieser Welt
bis zum Vermischten mit Humor. In "Blickdicht" werden
nach Ansicht der Dichterin die Frauen im Alter blickdichter
und damit uninteressanter und die Männer interessanter
wegen der grauen Schläfen.
Unter der Überschrift "Heimat" beschreibt Annegret
Hollenhorst den kargen Alltag auf dem Land und erzählt
das Erlebte und Gefühlte der einfachen Landbevölkerung.
Sie selbst ist auf einem Bauernhof in Avenwedd groß
geworden und hätte als Kind gerne in der Stadt gelebt.
Erst später hat sie festgestellt, wie schön die
Jugend auf dem Land war und ließ dieses in ihren Geschichten
widerspiegeln.
Der Bogen zur plattdeutschen Sprache durfte in kurzen Beiträgen
nicht fehlen. Zu Liebe, Lust und Leben hatte die mehrfach
ausgezeichnete Lyrikerin zehn kurzweilige Stücke aus
ihrem großen Repertoire ausgewählt. In "Von
der Liebe" spricht sie von Höhen und Tiefen, wobei
es doch die schönste Last der Welt ist. Der Traum vom
Zusammen-alt-werden und die Leidenschaft sind ebenso in ihren
Texten zu finden.
Mit etwas heiterem in Form von frischen Reimen klang der gelungene
Abend aus.

Begeisterten ihr Publikum
Annlegret Hollenhorstund der Saxophonist Benedikt Hollenhorst
traten
im Spexarder Bauernhaus auf
FOTO: MARKUS SCIHUMACHER
PNP - Montag, 28. April 2008 FF Nr. 99
StillerWiderstand hilft Bedrohungen überwinden
Ortwin Haertel liest aus seinem Buch
Freyung. "Zwei Hauptthemen der Gedichte von
Ortwin Haertel sind die Bereiche Kinder und Heimat
aber eine Heimat mit Rissen", mit diesen Worten fasste
Notar Rudolf Burghart in seinem Schlusswort die Eindrücke
zusammen, die er bei Ortwin Haertels Lesung in der Stadtbibliothek
Freyung gewonnen hatte.
Tatsächlich sind die "Heimat"- Gedichte des
52-jährigen gebürtigen Freyungers, der jetzt in
München
lebt, keine idyllischen Lobpreisungen heimatlicher Landschaft
und Menschen. Im Gegenteil. Die Heimat in Haertels Gedichten
ist eine unvollkommene, gefährdete, zerrissene. So beschreibt
er zum Beispiel die Schrecken des früheren "eisernen
Vorhangs", der die Welt in zwei Blöcke teilte. Aber
auch andere Gefährdungen, zum Beispiel atomare Bedrohung
durch Krieg und Atomkraftkraftwerke, prägen Haertels
Bild von Heimat in seinen Gedichten. In kraftvollen, düsteren
Bildern spiegelt sich das Bedrohliche in den Gedichten wider.
Aber Haertel beschränkt sich nicht auf die dunklen Seiten.
In manchen seiner Gedichte lässt er auch Hoffnung anklingen.
"Stiller Widerstand", das war auch das Motto von
Haertels Lesung, sei nötig, damit der Mensch die Bedrohungen
überwinden könne.
Ein zweiter Schwerpunkt von Haertels Lesung war der Bereich
Kinder. Ortwin Haertel weiß hier, wovon er schreibt
und spricht: Er arbeitet nämlich als Erzieher und zum
anderen besteht seine Familie neben seiner Frau Claudia aus
drei Pflegekindern und einem leiblichen Kind.
Immer wieder schildert Haertel in seinen Gedichten eindrucksvoll
das traurige Schicksal vieler Kinder, die einsam sind und
sich nach Liebe und Geborgenheit sehnen. Doch auch hier vermittelt
Haertel Zuversicht, indem er den anrührenden Gedichten
über die Hilflosigkeit und Verzweiflung von Kindern positiv
gestimmte Gedichte gegenüberstellt, die kindliche Lebenslust
und familiäre Geborgenheit zum Ausdruck bringen.
Ortwin Haertels präzise Vortragskunst wurde wunderbar
ergänzt durch Stephan Heigl, alias Stevie Casino, der
die Gedichte musikalisch umrahmte. Die von Stevie Casino virtuos
am Keyboard gespielten Eigenkompositionen und selbst gestalteten
Arrangements bekannter Nummern waren allerdings weit mehr
als bloße Begleitmusik, sondern eine Fortsetzung der
Gedichtlesung mit musikalischen, Mitteln. Insgesamt eine gelungene
Veranstaltung in einer angenehmen Umgebung mit der charmanten
Gastgeberin Waltraud Wegele, die sich über weitere Veranstaltungen
dieser Art sicher freuen würde. - ruh
Nordkurier 14. Mai 2007

Souverän das "Besondere" artikulieren
Die Berliner Sektion des "Bentlager Kreises" brachte
im Reimann-Haus Lyrik zum Klingen.
VON GUNDULA ENGELHARD
NEUBRANDENBURG. "Die Berliner sind etwas Besonderes
im Bentlager Kreis", bereitete Frank Sporkmann das Publikum
im Brigitte-Reimann-Haus am Freitagabend vor. Sechs Autorinnen
der Sektion Berlin brachten Lyrik und Prosa zum Klingen. Der
Musiker Uwe Baumgartner nahm die Stimmung der Worte mit seinen
Instrumenten auf und vertraute auf den eigenen Ton.
Der freiberufliche Schriftsteller und Dramatiker Frank Sporkmann
ist Mentor des Bentlager Kreises und hatte die Lesung in Neubrandenburg
angeregt. Bis Mitte der 1990er-Jahre lebte und arbeitete der
auf Rügen geborene Autor in Mecklenburg-Vorpommern und
wurde als Kulturwerker namhaft. Fast auf den Tag genau vor
zwölf Jahren habe er Deutschland verlassen, "weil
der Feind immer noch da war: Ignoranz und Desinteresse".
Arbeit und Reisen führten ihn nach Amsterdam, Australien,
Indonesien und London. Nunmehr in München, ist Sporkmann
auch Theaterkritiker. Anlässlich einer Schreibwerkstatt
im Benediktinerkloster des Rheineschen Stadtteils Bentlage
gründete sich 2002 der Kreis als "offene Initiative
von künstlerisch tätigen Menschen aller Altersklassen
und unterschiedlichster Berufe". Inzwischen hat der Bentlager
Kreis in fünf Sektionen 36 Aktive, denen Sporkmann "eigene
Erfahrungen des Kunstschaffens und Erfahrungen aus der Kunstgeschichte"
vermittelt. Ohnehin gelte, Workshops seien Sache von Künstlern
- Germanisten oder Kunstwissenschaftler könnten die Erwartungen
nicht erfüllen. Seine Arbeit als Mentor ziele darauf,
"das künstlerische Subjekt dahin zu begleiten, dass
es das ,Besondere' artikulieren kann." Ingrid Gorr, Judith
Kohlmeyer, Irmgard Lauff, Konstanze Reupsch, Monika Schaack
und Babette Werth gaben mit dem Titel das Programm vor und
lösten das Versprechen ein, die "rechten Winkel
der Träume" (Gorr) zu erkunden. Unvereinbar scheinen
abgezirkelte Sperrigkeit und unkontrollierbare Fantasiesprünge.
Die Gefäße Gedicht und Prosaminiatur bestehen den
Haltbarkeitstest: Gebundene und freie Rhythmen und Erzähltes
erreichen den Hörer. In jeder der fünf Text-Serien
halten die Autorinnen den Bogen gespannt, bis sich am Ende
der ganze Kreis schließt (ironischerweise mit der "Hymne
auf das Wort ,müssen'", Lauff). Sammlung und Konzentration
ist gefragt, die Folge der Stimmen ist kein Schongang.
Die Texte greifen Alltagsbeobachtungen auf, streifen Privates,
erinnern an Geschichte, geraten aufs politische Feld, loben
die Natur und reflektieren Nachdenken über Vergänglichkeit.
Reflexionen über Konflikte mit Nachbarn, die das Gartenidyll
nicht anerkennen wollen, über den Panzer, dem Ich mutmaßlich
in untergründiger Manier angelegt, oder über Sprachhandeln,
das sich verweigert, wechseln mit Gedichten in drei Versen
("Göttliches erwartet./Wunder gesucht./Gefunden:
Mich.", Kohlmeyer). Keine Frage; das Besondere bleibt
haften. Besonderes an der Berliner Sektion des Bentlager Kreises?
Die Souveränität im Texten und Auftreten. Die Lesung
bildete den Auftakt für einen Wochenend-Workshop mit
Mentor Sporkmann in Rollenhagen bei Judith Kohlmeyer.
DIE GLOCKE, 19. Februar 2007
Bentlager Kreis Aachen
"Wetter brennt": Lyriker beziehen Stellung
zur Bildungsmisere
Rietberg (sog) . Die Vorlesung des Bentlager Kreises Aachen
im Heimathaus Rietberg bot einen Abend der besonnenen und
heiteren Art. Im dämmrigen Licht präsentierten die
sechs Autorinnen Lyrik und Prosa aus ihrem Jahruch 2006, das
den Titel "Als die Nacht ans Ufer schwamm" träg.
Von tief romantischen Stücken bis hin zu gesellschaftskritischen
Texten erwartete das Publikum ein weites Themenspektrum.
Für die musikalische Begleitung sorgte der Saxohonist
Benedikt Hensdiek aus Spexard. Der Bentlager Kreis ist eine
offene Initiative aus Literatur, bildender Kunst und Musik,
die sich in fünf Sektionen teilt. Im Jahr 2003 gründete
sich die Aachener Sektion aus einem Lyrik-Workshop uner der
Leitung des Münchener Schriftstellers Frank Sporkmann.
"Die Möglichkeiten, seine Arbeiten zu publizieren,
sind sehr gering, da dies hauptsächlich über Verlage
läuft", begründete Sporkmann die Entscheidung,
selbständig Texte zu veröffentlichen.
Zur Freude der Veranstalter fanden sich zahlreiche Zuschauer
im Heimathaus zusammen. Mit sanften Saxophonklängen stimmte
Benedikt Hensdiek die Gäste zu Beginn auf die kommende
poetische Kost ein. Die Themen der Gedichte und Textstücke
spannten sich über romantische Naturlyrik, zynisce Gesellschaftskritik,
pointierte Alltagserlebnisse und barock-expressionistische
Lebensdarstellungen. "Des Lebens Lauf" von Siegrid
Schwengber zeigte die Frau von heute, die zuerst von Fete
zu Fete zieht und später dann doch als Hausfrau in Birkenstock-Sandalen
am Herd steht.
Mit "Kinderfrage" stellte die Künstlerin den
Krieg und den damit verbundenen Verlust von Mutter und Vater
in Frage. "In der heutigen Gesellschaft findet Lyrik
immer mehr Zuspruch", befand sie. Um sich weiterzuentwickeln,
sei man dabei auf das Echo des Publikums angewiesen. "Man
schreibt über Dinge, die einen persönlich betreffen,
die einen bewegen. Natürlich greifen wir auch Themen
auf, die benannt werden müssen", erklärte Bettina
Kutta ihr literarisches Anliegen. Mit "Wetter brennt"
nahm sie Stellung zur Bildungsmisere an deutschen Schulen,
der Verwahrlosung der Jugendlichen und der politischen Kurzsichtigkeit.
Dass Lyrik auch von Klängen lebt, verdeutlichte vor
allem Brigitte Schulze-van der Wal. In "Liebe ist"
verband sie hörbares Gefühl mit erhellendem Wortspiel.
Auch die Spexarderin Annegret Hollenhorst, die im Jahr 2003
einen Preis mit ihren Gedichten gewann, präsentierte
ihre Arbeiten im Rahmen der Vorlesung. Ihr Stück "Das
Erbe" handelt von einer Frau, die ihre Habseligkeitstruhe
hervorkramt mit Steppbett und altem Fuchsschal, da sie glaubt,
es könne bald zu spät sein. Dieser Handlung gab
die Lyrikerin ein unerwartet komisches Ende. Zwischen den
einzelnen Textbeiträgen wurde die Atmosphäre durch
die musikalische Begleitung aufgelockert. Benedikt Hensdiek
präsentierte Eigenkompositionen und Improvisationen,
die sich an den Inhalten der Gedichte orientierten.
PNP, 06.03.07
Stiller Widerstand in wuchtiger Lyrik
Gedichte und Gitarrenklang im Café Museum

Ortwin Haertel liest im Café Museum aus seinem Buch
"Stiller Widerstand", Günther Kerbl begleitet
ihn auf der Gitarre. (Foto: Warmuth)
"Stiller Widerstand" heißt das erste Buch
des gebürtigen Freyungers Ortwin Haertel. Die rund 20
Zuhörer im Café Museum wussten also von vorne
herein, dass sie keine leichte literarische Kost erwartet.
"Im Wald rebelliert man innerlich", sagte der Autor
von sich selbst und verabreichte den Zuhörern Gedichte,
die sie tief berührten.
Ortwin Haertel folgt in den wuchtigen Texten seinem ureigenen
Rhythmus und verwendet ein ungewöhnliches Versmaß.
Die Themen seiner Lyrik reichen von seiner Waldheimat und
dem benachbarten Böhmen bis Nordafrika, wo er ein Jahr
lang inhaftiert war. Haertel spart aber auch Umweltkatastrophen
nicht aus und tut dies mit Wortschöpfungen wie "Bittergrund".
Im Kernkraftwerk Ohu herrscht ein "dunkler Gesang vom
Tod" und "das Herz fühlt der Moleküle
wundes Blut".
Am meisten aber berührten die Zuhörer die Gedichte
an die Heim-, Hort- und Pflegekinder. "Ihr erntet die
Ängste, die ihr nicht gesät habt", heißt
es in einem der Gedichte. "Du bist uns ins Herz geboren",
schreibt Haertel an einen seiner drei Pflegesöhne.
Und so entwickelte sich nach der Lesung eine sehr intime Zwiesprache
zwischen Autor und Zuhörerschaft. Diese sah bestätigt,
was Ortwin Haertel zu Beginn seiner Lesung sagte: "Ich
schreibe nur, was ich selbst erlebt habe." Zwischen den
Gedichten spielte Günther Kerbl auf der Konzertgitarre
alte, spanische Musik, darunter die anrührende Romanze
eines anonymen Komponisten und ein Stück von J. S. Bach.
Gertie Falk
Das Buch "Stiller Widerstand" ist im Buchhandel
unter der ISBN-Nr. 3-8334-4959-4 für 8,90 € erhältlich.
Illustriert ist es von Petra Klingermann, die mit dem Erzieher
Ortwin Haertel und dem Maler Günther Kerbl dem Münchner
Bentlager Kreis angehört.
Gronau, 21. November 2006
Wettlauf gegen die Zeit
"Ladlehare" - vom Weg der Tiere in eine mögliche,
bessere Zukunft
Hanspeter Zimmer: "Es liegt in der Hand der Kinder,
was aus der Welt wird"
GRONAU . "Ich wollte eigentlich kein Buch schreiben",
sagte Hanspeter Zimmer zu Beginn seiner Lesung im Bürgermeisterhaus,
organisiert vom Gronauer KulturKreis. Er sei ein bildender
Künstler. Und das war in seiner Geschichte über
den Hasen Ladlehare, was soviel wie Löffelhase heißt
und in einer Hügelgruppe im südlichen England spielt,
unüberhörbar.
Das Buch war der Begegnung der besonderen Art geschuldet,
verriet der pensionierte Kunstlehrer, der 2003 an diesem Ort
seine Bilder ausgestellt hatte und vielen Gronauer Bürgern
darüber hinaus eben auch als Lehrer bekannt ist. Dreizehn
Jahre habe er an dem Buch geschrieben, verriet Hanspeter Zimmer.
Damals sei er in Südengland gewesen und habe bei seinen
einsamen Radausflügen plötzlich einem Hasen Aug'
in Aug' gegenüber gestanden. "Hallo" sei die
Sprache, mit der man mit Hasen kommunizieren kann, erfuhren
die Zuhörer in der Stadtbücherei. Und was der kunstsinnige
Mann dann von dem Tier zu hören bekam, formte sich zwanghaft
zu dem vorliegenden Buch.
Hanspeter Zimmer erzählt aus Sicht des Hasen "Ladlehare",
so auch der Titel des Buches, vom Weg der Tiere in eine mögliche,
bessere Zukunft. Auf ihrer abenteuerlichen Wanderung durch
die von Menschen veränderte Landschaft erleben die beredten
Hasen den zerstörerischen Eingriff der Menschen in die
Natur und ihren Haushalt. Symbolträchtig ist der Wettlauf
der Hasen, ein Wettlauf gegen die Zeit.
Autor Zimmer stellt seiner Abenteuergeschichte nackte Fakten
über das Abholzen der Regenwälder gegenüber.
Das war in der Lesung verwirrend. Eben noch mit den Hasen
auf der Suche nach einem neuen Revier durch Getreidefelder,
in Scheunen und über breite Autobahnen gewetzt, hörte
man plötzlich vom Verschwinden der Wälder in Kamerun.
Zimmer unterstreicht mit diesem harten Schnitt zwar die Dringlichkeit,
seiner Geschichte aber ist es weniger zuträglich. Sein
Anliegen ist deutlich: Als Verfechter eines sanften Tourismus,
liegt ihm der Schutz der Umwelt am Herzen. Er setzt auf die
Kinder. "Es liegt in der Hand der Kinder, was aus der
Welt wird", sagte Hanspeter Zimmer. "Ladlehare"
ist aber kein Kinderbuch. Der Autor meinte: "Ein Familienbuch
zum Vorlesen." Besonders schön sind seine Illustrationen.
Hier zeigt sich der genaue Beobachter und feinfühlige
Zeichner, der Hanspeter Zimmer von Haus aus ist.
Simone Hartau
Westfalen-Blatt, 12./13. August 2006
"Meine Inspiration ist der Alltag"
Spexarder Lyrikerin Annegret Hollenhorst hat ihren Schreibblock
immer dabei
Von Miriam Instenberg
Gütersloh-Spexard (WB).
Jeder Mensch hat mindestens en Talent, beweist im Umgang mit
einer bestimmten Sache besonderes Geschick. Im Fall von Annegret
Hollenhorst ist das das Wort. Schon als Kind schrieb sie kleine
Geschichten, im Jahr 2003 gewann die Spexarderin einen Preis
für ihre Gedichte beim Lyrikfest in Basel. Nun sprach
sie mit dem WESTFALEN-BLATT über ihre Pläne für
die Zukunft.
Das preisgekrönte Gedicht "Was für ein Krieg?"
wurde in die Anthologie der Nationalbibliothek des deutschsprachigen
Gedichtes aufgenommen, und auch das Gutachten, das ihr über
ihre lyrischen Fertigkeiten ausgestellt wurde, beweist Annegret
Hollenhorsts großes Talent. Doch was ist seither passiert?
"Zunächst habe ich im Jahr 2004 nochmals am Wettbewerb
in Basel teilgenommen, diesmal mit dem sozialkritischen Gedicht
Glück auf', das das schwere Schicksal von Minenarbeitern
thematisiert", erzählt die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin.
Obwohl sie auch für dieses Werk eine sehr gute Beurteilung
erhielt, nahm Annegret Hollenhorst an keinen weiteren Wettbewerben
teil. Zum einen, weil für die ausgestellten Gutachten
inzwischen Kosten anfallen, zum anderen, weil der mit einer
Wettbewerbsteilnahme verbundene Stress auf die Nerven schlägt:
"Mir wurde das zu viel. Ich hatte das Bedürfnis,
mich auf mich selbst zu konzentrieren. Außerdem hatte
ich zu dem Zeitpunkt bereits so viel Selbstbewusstsein, dass
es keiner weiteren Bestätigung durch etwaige Gewinne
mehr bedurfte".
Das war nicht immer so. Früher, so die Lyrikerin, habe
sie Geschichten und Gedichte oft zerrissen, damit niemand
sie lesen könne. Inzwischen haben sich jedoch mehr als
200 Gedichte und auch Prosa-Texte angesammelt, und da diese
offensichtlich zu gut gelungen sind, als dass man sie der
Öffentlichkeit vorenthalten könnte, beschloss Annegret
Hollenhorst, sich dem "Bentlager Kreis" anzuschließen,
einer literarischen Vereinigung für Menschen, die sich
neben ihrer beruflichen Tätigkeit mit Lyrik, Prosa und
Kunst beschäftigen,
"Geleitet wird der Literaturkreis vom Münchener
Schriftsteller und Dramatiker Frank Sporkmann. Zwei- bis dreimal
im Jahr treffen wir uns bei Workshops, um Texte vorzustellen
und zu besprechen. Am Ende des Jahres veranstalten wir eine
Lesung, außerdem wird ein Jahrbuch herausgegeben",
so Annegret Hollenhorst. In den Jahrbüchern "Flutfuge"
(2004) und "Mein kleines Welttheater" (2005) sind
neben Gemälden und Texten fünf anderer Lyrikerinnen
natürlich auch kleine Geschichten sowie Gedichte der
Spexarderin abgedruckt. Diese handeln von Themen wie Ungerechtigkeit
oder Begebenheiten aus der Vergangenheit, aber auch Naturgedichte
oder Werke, die politische Geschehnisse behandeln, sind in
ihrem großen Fundus vorhanden, "Aktuell ist es
natürlich der Nahost-Konflikt, der mich beschäftigt;
allerdings interessiere ich mich eher für die menschliche
als für die politische Seite. Meine Inspiration ist der
Alltag, daher kann es auch passieren, dass ich mitten in der
Nacht aufstehe und meinen Block beschreibe. Den habe ich immer
dabei", sagt Annegret Hollenhorst.
Der Wunsch, den die dreifache Mutter für ihre Zukunft
hegt. dürfte vor allem alle Bewohner des Kreises Gütersloh
erfreuen: Sie möchte nämlich gern ein Buch mit Anekdoten,
Prosa und Gedichten rund um Gütersloh veröffentlichen,
Diesen Plan hat Annegret Hollenhorst fest ins Auge gefasst,
und das große Interesse sowie die positive Resonanz
auf ihre Veröffentlichungen bestärken sie in ihrem
Entschluss,
Am 10. Februar 2007 findet jedoch erst einmal die nächste
Lesung des Bentlager Kreises statt. "Für diese Veranstaltung
im Rietberger Heimathaus suchen wir übrigens noch einen
Musiker, der uns begleiten mochte. Interessierte Saxophonisten
oder auch Gitarristen dürfen gern Kontakt mit uns aufnehmen",
verrät die Lyrikerin. Wem die Leseprobe, das Gedicht
"Sommerabend", gefällt, der sollte sich die
Lesung im Februar nicht entgehen lassen.
Westfälische Rundschau, 8.11.2005
Bentlager Kreis ist eine
Vereinigung von Künstlern
Gruppe stellte ihr Jahrbuch mit Kurzgeschichten und Bildern
vor
Hilchenbach-Allenbach. (is)
Fünf Künstler der literarischen 'Vereinigung "Bentlager
Kreis" luden zur Lesung aus ihrem Jahrbuch in den Konventssaal
des Gymnasiums Stift Keppel ein.
Mit viel Liebe und Tiefe trugen Fredus Roser, Marianne Levien,
Maria Flender, Elisabeth Weller und Marianne Scholl-Kunz ihre
Arbeiten vor - Gedichte vom Alltag, aus der Fantasie, von
Natur, Liebe und den kleinen Weisheiten im Leben. In ihrer
Lyrik und in ihren Kurzgeschichten finden sich unterschiedliche
Stile zu einem Ganzen.
Marianne Levien zum Beispiel malt auch. Sie interessiert sich
für das Verhältnis von Mensch und Tier, sodass ihre
Geschichten oft Fabeln enthalten. Ansonsten lässt sie
sich von vielen Dingen inspirieren. "Manchmal kommt eine
Situation über mich, die kann ich nur verarbeiten, indem
ich Kunst schaffe."
Auch Maria Flender ist Malerin. Kunst sei, Bilder im Kopf
zu sehen und sie auszudrücken - entweder in Form von
Sprache oder mit Farbe und Pinsel. Die Bilder der beiden Künstlerinnen,
wie auch von Fredus Raser, sind im Jahrbuch enthalten.
Petra Klingemann malt ausschließlich. Ihre Bilder wurden
während der Vorlesung auf die Leinwand projiziert.
Begleitet wurde die Vorstellung von dem Musikstudenten und
Cellisten David Geis. Der Bentlager Kreis ist eine Vereinigung
von Kunstschaffenden aus Literatur, Musik und bildender Kunst.
Mitgründer ist Frank Sporkmann. Der Autor aus München
wollte eine Plattform für Gleichgesinnte gründen,
auf der die Künstler Kritik wie auch Motivation finden.
Westfalenpost, 8.11.2005
"Weh ist ausgegangen"
Buchpremiere des Jahrbuchs 2005 des Bentlager
Kreises im Konventsaal von Stift Keppel
STIFT KEPPEL. (erw)
Für die Mitglieder der Sektion Keppel des Bentlager Kreises
war es ein ganz besonderer Spätnachmittag.
Im Konventssaal von Stift Keppel stand die Buchpremiere "Weh
ist ausgegangen" des Jahrbuches 2005 der Sektion Keppel
des Bentlager Kreises vor einem großen Auditorium auf
dem Programm.
Regie führte der aus München angereiste Schriftsteller,
Dramatiker und Theaterkritiker Frank Sporkmann, der zu gleich
auch der Mentor der Sektion Keppel ist.
Gegründet wurde die Sektion Keppel in 2004 als lockerer
Zusammenschluss der sechs heimischen Künstlerinnen und
Künstler Maria Flender, Petra Klingemann, Marianne Levien,
Fredus Roser,
Marianne Scholl-Kunz und Elisabeth Weller aus den Bereichen
Prosa, Lyrik. Malerei und Fotografie mit Anschluss an die
Künstlervereinigung "Bentlager Kreis", zu der
außer der Sektion Keppel auch noch die Sektionen Aachen,
Berlin, Rheine und München zählen.
Die Künstlergruppe trifft sich etwa dreimal pro Jahr
bei Workshops und bereitet unter anderem die Herausgabe des
jeweiligen Sektions-Jahrbuches vor.
Bei einem Lyrik-Workshop in Bentlage bei Rheine unter der
Leitung von Frank Sporkmann kam vor vier Jahren die Idee auf.
eine Künstlervereinigung zu gründen, die es möglich
macht, unabhängig von
Verlagen selbst als Künstler tätig zu werden und
eine jährliche Herausgabe von Werken seiner Mitglieder
zu bewerkstelligen.
Mitglieder willkommen
Es entstand der Name Künstlervereinigung "Bentlager
Kreis".
Aus dem Jahrbuch brachten die Autoren Elisabeth Weller, Maria
Flender sowie Marianne Levien und Fredus Roser eine Auswahl
ihrer Werke vor einem sachkundigen Publikum zu Gehör.
Außerdem projizierte Frank Sporkmann Gemälde und
Fotos von Marianne Levien, Petra Klingemann, Maria Flender
und Fredus Roser auf eine Leinwand.
Oavid Geis untermalte die Buchpremiere mit musikalischen Stücken
auf seinem Cello.
Weitere Mitglieder sind herzlich willkommen.
Siegener Zeitung, 9. November 2005
Eine besinnliche Reise
Bentlager Kreis im Konventssaal von Stift Keppel zu Gast
Allenbach. Mit künstlichem und echtem Kerzenlicht erleuchtet
bot der barocke Konventssaal von Stift Keppel am Sonntag die
perfekte Atmosphäre für eine Lesung der besinnlichen
Art. Wer am späten Nachmittag allerdings zu spät
kam, musste mit dem Parkettboden vorlieb nehmen, da sämtliche
Stühle bereits besetzt waren. Viele waren gekommen, um
die Premiere des Jahrbuchs 2005 des Bentlager Kreises Keppel
zusammen mit den anwesenden Künstlern zu feiern. Unter
dem Titel "Weh ist ausgegangen" offenbart das Werk
zahlreiche Gedichte, Lyrik und abgebildete Malereien von Maria
Flender, Petra Klingemann, Marianne Levien, Fredus Roser,
Marianne Scholl-Kunz und Elisabeth Weller.
Der 2002 gegründete Bentlager Kreis ist eine solidargemeinschaftliche
Initiative für künstlerisch tätige Menschen
aus Literatur, bildender Kunst und Musik, die unter ihrem
Mentor, dem Münchener Schriftsteller und Dramatiker Frank
Sporkmann, für regelmäßige Publikationen sorgen.
Keppel ist eine von fünf Sektionen, deren über dreißig
Mitglieder sich mehrmals im Jahr zu Workshops treffen, um
aktuelle Arbeiten vorzustellen, theoretisch zu vertiefen und
kritisch zu diskutieren.
In Allenbach teilten sich im Wechsel die Lehrerin Maria Flender,
die freischaffende Kunstmalerin und -lehrerin Marianne Levien,
der Journalist Fredus Roser und die pharmazeutisch-technische
Assistentin Elisabeth Weller die Aufmerksamkeit des Publikums,
das gleichzeitig einen Blick auf die auf eine Leinwand projizierten
Bilder der Künstler werfen konnte. Durchweg abstrakt
gehalten ergänzten sich die Malereien ausgesprochen gut
mit den ähnlich konzipierten Gedichten und Kurzgeschichten.
Inhaltlich umfasst die Sammlung mit Naturbeobachtungen, Lebensweisheiten
und historischen Stoffen ein breites Spektrum und offeriert
mit den individuellen Stilen viele Facetten.
Zwischen den vier Leseblöcken sorgte David Geis mit seinem
virtuosen Spiel am Violoncello für eindrucksvolle musikalische
Abwechslung. Dieses audiovisuelle Programm entführte
die Besucher auf eine sinnliche Reise und reizte anschließend
sicherlich zum Austausch mit Gleichgesinnten.
Siegener Zeitung, 29.Oktober 2005
Kontrapunkt - mehr als "nur"
Musik
Mitglieder-Ausstellung des Kunstvereins Siegen im Haus Seel
mit exakt 50 Teilnehmern
Siegen. "Kontrapunkt" - der Kunstverein Siegen
hat die Themenstellung seiner aktuellen Mitgliederschau der
Musik entlehn. Wo der Musiker an sich vielleicht - und verständlicherweise
- ein etwas eindimensionales Verständnis dieses Begriffs
haben wird, zeigen sich die exakt 50 bildenden Künstler,
die diesmal an der alle zwei Jahre stattfindenden Mitglieder-Ausstellung
teilnehmen, wie vielfältig, kreativ und spannend der
"Kontrapunkt" interpretiert werden kann. Das geht
freilich ganz gut mit Bezug auf die Tonkunst, sehr wohl aber
auch mit gänzlich außermusikalischen Inhalten.
51 Exponate - Gemälde, Objekte, Skulpturen, Collagen,
Fotografien - geben davon auf eindrucksvolle Weise in der
Städtischen Galerie Haus Seel Zeugnis, wo die Schau am
Donnerstagabend von Siegens stellv. Bürgermeister Jens
Kamieth eröffnet wurde. Der Vorsitzende des Kunstvereins,
Albrecht Thomas und Geschäftsführer Franz-Josef
Weber, die einleitenden Worte sprachen, konnten sich über
besonders reges Besucher-Interesse freuen - die Galerie platzte
nahezu aus allen Nähten. Für die musikalisch-literarische
Umrahmung sorgten Irmgard Schick (Gesang) und Friedhelm Schick
(Klavier) sowie Siegrid Schwengber (Lesung eigener lyrischer
Texte). Das Trio brachte einen wohldurchdachten, amüsanten
und unterhaltsamen Block aus Lieder und Gedichten - "kontrapunktisch"
angelegt wohlgemerkt, verlegten sich die Musizierenden doch
auf positive, die Lesende aber auf negative Aspekte des Themas
"Liebe".
Grafschafter Nachrichten, 15. September 2005
Ein Blick mit Hasenaugen in die Zukunft
LESUNG Hanspeter Zimmers Roman als Plädoyer
für den Erhalt der Schöpfung
VON JÖRG LEUNE
NEUENHAUS - Hanspeter Zimmer hat am Freitag im Alten Rathaus
aus seinem jetzt fertig gestellten Roman "Ladlehare"
gelesen. Fünfzehn Jahre lang hat er am Epos vom Hasen,
der in die Zukunft sieht, gearbeitet. Ladlehare (Löffelhase)
lebt auf den Hügeln der südenglischen Grafschaft
Hampshire.
Zimmer ist zu seinem Werk durch den 1972 erschienenen Bestseller
"Watership Down" von Richard Adams angeregt worden.
Der Lebensraum der Hasen und Kaninchen ist der gleiche wie
bei Adams, Nachkommen der Protagonisten aus Adams' Buch rufen
wiederholt die Geschichten ihrer Vorfahren ins Gedächtnis.
Aber "Ladlehare" ist mehr als eine Fortsetzung von
"Watership Down". Hanspeter Zimmer hat die Landschaft
Hampshires immer wieder bereist. Und er ist ein überzeugter
Verfechter eines sanften Tourismus. Bei den Exkursionen in
die südenglischen Downs war er immer zu Fuß und
mit dem Fahrrad unterwegs. Von seinen Zeichnungen und Bildern
kennt man Zimmer als sehr genauen Beobachter. Und diese Beobachtungsgabe
zeigt er auch im Romantext.
Gleich im ersten Kapitel ist der Autor als "stiller Mann"
Ladlehare begegnet, hat lange dem Hasen gegenüber im
Gras gesessen und nach Watership Down hinübergeschaut.
Dieses lange Sitzen und Schauen, schlägt sich in den
äußerst detaillierten und plastischen Landschaftsbeschreibungen
nieder, die ein besonderer Vorzug des Romans sind. Im Anhang
seines Buches ergänzt Zimmer diese Beschreibungen durch
einen Genauen geographischen Kommentar und liefert dazu Informationen
über Wander- und Unterkunftsmöglichkeiten in den
Downs einschließlich der entsprechenden Ordnance Survey-Wanderkarten.
Genau so gründlich wie er beobachtet hat der Autor das
Verhalten der Hasen und Kaninchen studiert. Und insofern ist
"Ladlehare" auch eine erzählende Verhaltenslehre
dieser vom Aussterben bedrohten Tiere. Gelegentlich wird die
Handlung durch theoretische Absätze unterbrochen. Diese
wirken dann allerdings etwas störend.
Der Schutz der Umwelt ist Hanspeter Zimmer das wichtigste
Anliegen in seinem Buch. Zu 16 der 28 Kapitel des Romans gibt
es jeweils einen Anhang, in dem die Romanhandlung mit bitteren
Nachrichten über vom Menschen verursachte Umweltzerstörung
in ihren vielfachen Formen verknüpft wird. Zwei Bibelzitate
am Anfang und Ende des Romans verweisen darauf, dass statt
"Umwelt" eher "Schöpfung" zu lesen
ist. In der Schöpfung hat jedes Wesen seinen Platz. Heute
wird ihm dieser Platz von Menschen bestritten.
Im fünften Kapitel "Die Geschichte der Hasen"
träumt Ladlehare in einer Bilderreihe den historischen
Wandel im Verhältnis Mensch und Tier bis in die heutige
Zeit. Heute ist die Jagd vielfach nur noch eine sinnentleerte
Form, für die im Englischen die entlarvende Bezeichnung
"Blood Sports" verwendet wird.
Insgesamt wild das Buch in diesen Passagen, sicherlich Kritik
hervorrufen. Gelegentlich scheinen die apokalyptischen Visionen
allzu sehr die Oberhand zu gewinnen. Ist der Mensch wirklich
nur der Feind der Tierwelt? Ist nicht die von den Hasen und
Kaninchen geschätzte Lebenswelt auch ein Produkt menschlicher
Kultur? Ist das ökologische Bewusstsein nicht heute anders
als vor vierzig Jahren weit verbreitet? Aber trotz der bedrohlichen
Visionen enthält "Ladlehare" auch breite Ansätze
für Hoffnung. Der Autor setzt diese Hoffnung insbesondere
auf die Kinder. Sie haben das Verständnis für die
bedrohte Tierwelt, das so vielen Erwachsenen fehlt. Und "Ladlehare"
ist ein spannendes Buch. Der Weg der Tiere in eine bessere
Zukunft, die sie im Westen suchen, ist eine Abenteuergeschichte,
die zu lesen sich lohnt. Eine Abenteuergeschichte, die freilich
nachdenklich macht. Die Weit wird mit den Augen der Tiere
gesehen. Ebenfalls aus deren Perspektive wird die Umwelt auf
den zehn feinfühligen Zeichnungen dargestellt, mit denen
Hanspeter Zimmer das Buch ausgestattet hat.
Hanspeter Zimmer, Ladlehare, Ein Hase sieht in die Zukunft.
Norderstedt (Books on Demand Verlag), 328 Seiten. 19,90 Euro.
ISBN 3-8334-30079
Dorstener Zeitung / Lesung 20. November 2004
Naturlyrik und beißender Spott
Gäste durften bei Heuwing auf den Teppichen sitzen
Dorsten. Lyrik auf dem Teppich: Das war am Samstag im Teppichhaus
Heuwing durchaus wörtlich zu nehmen. Denn einige der
mehr als 30 Gäste durften auf den Teppichballen Platz
nehmen.
Fünf Lyrikerinnen aus dem Bentlager Kreis
(Sektion Aachen) stellten in der Teppichgalerie ihr kreatives
Schaffen vor. Wir brauchen das Echo der Menschen, denen
wir unsere Texte vortragen, so Siegried Schwengber zu
Beginn, die den Kreis vorstellte.
2002 wurde der Kreis Bei Rheine gegründet und ist eine
Vereinigung von 30 Frauen und 2 Männern, die sich mehrmals
im Jahr zu Workshops treffen.
Dabei ist dann immer unser Mentor und härtester
Kritiker, der Münchener Schriftsteller und Dramatiker
Frank Sporkmann, so Schwengber. Doch nicht nur die praktische
Arbeit steht bei diesen Workshops auf dem Programm sondern
auch die Beschäftigung mit der Theorie: Wir wollen
wissen, was wir da genau tun.
Zu sechs Themen stellen die Damen ihre Lyrik vor: Feststellungen,
Herbstimpressionen, Natur, Alltägliches,
Beziehungsweise und Heiter und Bissig.
Annegret Hollenhorst verriet in Morgenschwere,
wie hart es sein kann, morgens aus dem Bett zu kommen. Marianne
Krügers Steckenpferd ist die Natur-Lyrik, etwa über
Sonnenblumen oder das Töwerland.
Bettina Kutta und Brigitte Schulze lobten die Schönheit
des Herbstes, während Annegret Hollenhorst in Herbstdepressionen
ihre Probleme mit der dunklen Jahreszeit nicht verhehlen konnte:
Ich bin ein Sonnenkind. Wie kann man sich nur mit der
Dunkelheit verbünden?
Siegried Schwengber antwortete Hermann Hesse aus sein Gedicht
Etwas ganz Allgemeines auf die Weiber mit beißendem
Spott. Es gäbe ja auch nur zwei Sorten von Kerlen: Verlässliche
und Hässliche und Götterboten.
Die ersten zeichneten sich durch fehlende Romantik aus Er
gab ihr einmal Liebeszeichen. Das muss fürs ganze
Leben reichen. Bei Zweiten, die bewandert in der Kunst
der Liebe seien, gäbe es ein anderes Problem: Die
Sache hat nur einen Haken, sie treiben es auch auf anderen
Laken.
Vom Publikum gab es wie auch für das Gitarrenspiel
von Rolf Tönnes reichlich Beifall. (ber)
DIE GLOCKE (Lokalredaktion Ennigerloh), 9.
November 2004
Leselust und Hörvergnügen
Mit Hendrix Gitarre spielen, mit Sartre tanzen
Ennigerloh (Lau). Die Tragik des Lebens, worin könnte
sie liegen? Vielleicht in der Muse, mit weiter Bluse und viel
Geschmuse? Denn die kocht letztendlich am Herd doch nur Marmelade.
Schade. So einfach können die schwierigen Fragen des
Lebens manchmal sein. Zumindest, wenn man in die Gedichte
von Siegrid Schwengber eintaucht. Die Journalistin und Lyrikerin
aus Siegen, trug am Freitag in der Alten Brennerei 29 Gedichte
aus ihrem Programm "Wenn ich die Wahl hätte..."
vor und entführte damit die Zuhörer in ihre poetische
Welt.
Diese Welt besteht aus allem, was das Leben zu bieten hat:
Liebe und Lust, Trauer und Tod, Träume und Männer.
Eigentlich sollte Schwengber ein Saxophonist zur Seite stehen,
denn immerhin heißt die neue Veranstaltungsreihe in
der Alten Brennerei "Leselust und Hörvergnügen".
Doch der Musiker fiel kurzfristig aus, was sich jedoch nicht
negativ bemerkbar machte, da den Zuhörern ein adäquater
Ersatz geboten wurde. Die Ennigerloherin Marita Koch begleitete
die Autorin auf der Querflöte und erntete dafür
viel Applaus.
Das Zusammenspiel zwischen Traum und Realität stand oftmals
im Mittelpunkt der Gedichte von Siegrid Schwengber. Eine große
Verführerin zu sein, Männer zu verschlingen, noch
und nöcher - das hätte was. Mit Jimi Hendrix Gitarre
zu spielen, JFK zu treffen und mit Sartre im Moulin Rouge
zu tanzen - das hätte was. Oder? Ziemlich genau in der
Mitte von Schwengbers poetischem Programm stand ihre eigene
Interpretation des "Froschkönigs". Das Gedicht
zeigt die bekannte Märchenfigur einmal von einer ganz
anderen Seite. Denn der Froschkönig ist nach dem erlösenden
Kuss ein ganz anderer als erwartet. So wie vielleicht viele
Träume? Schwengber ließ diese Frage offen, gab
jedoch den Rat, das Leben einfach zu leben. Die Worte der
Autorin machten deutlich: Das Leben ist oft genug ein Grund
zur Freude, nicht zuletzt durch die Liebe. Und bei all der
Farbenpracht, in der Gott die Welt geschaffen hat, ist dem
Herrn ein wahres Meisterwerk gelungen - das Rot der Liebe.
Siegrid Schwengber war nach 90 Minuten Lesung sichtlich begeistert
von dem konzentrierten Ennigerloher Publikum. So mache eine
Lesung Spaß, freute sich die Lyrikerin und versprach,
bestimmt mal wieder zu kommen.
Siegener Zeitung, 27. Oktober 2004
"Flutfuge": Texte vom Leben
Bentlager Kreis legt Jahrbuch vor / Zwei Siegenerinnen dabei
"Flutfuge" heißt das erste Jahrbuch der Aachener
Sektion des Bentlager Kreises, in dem sich 23 Mitglieder ,
freischaffende Künstler aus den Bereichen Literatur,
bildende Kunst und Musik zusammengefunden haben. Sie treffen
sich dreimal pro Jahr, um gemeinsam mit ihrem "Betreuer",
dem Münchner Autor und Dramatiker Frank Sporkmann, ihre
neuesten Arbeiten vorzustellen, kritisch zu durchdenken, theoretisch
zu vertiefen und gegebenenfalls zu überarbeiten. Der
Bentlager Kreis versteht sich als offene Initiative für
künstlerisch tätige Menschen aus allen Altersstufen
und Berufen (die SZ berichtete).
Aus dem heimischen Raum gehören die Journalistin Siegrid
Schwengber und Anne Michel zum Bentlager Kreis. Auch sie haben,
neben Sigrid Bayer, Magdalene Elischewski, Annegret Hollenhorst,
Bettina Kutta, Marianne Krüger und Brigitte Schulze in
der 106 Seiten starken "Flutfuge" (Books on Demand,
Norderstedt) verschiedene Texte veröffentlicht. Diese
Sammlung, so der ebenso poetische wie sperrige Titel, unternimmt
den Versuch, wenigstens im Text, im Wort das Unhaltbare zusammenzufügen,
wenn es schon in der Realität nicht gelingt. Oder beschreibt
der Titel den Versuch, die Fülle des Stoffs, der sich
aus Lebenseindrücken und -erfahrungen ergibt, durch sprachlich
ordnende Distanz zu fassen?
Wie dem auch sei: Die Sammlung ist mehr als ein "Versuch",
auch wenn nicht alle Texte, Gedichte und Prosagedichte von
gleicher Qualität sind. Die Texte (ergänzt um einige
illustrierende Bilder von Anne Michel) spiegeln die Zerrissenheit
des Lebens wider, zeichnen das Ringen um Lebenssinn und
-richtung nach, ohne dabei allerdings melodramatisch oder
larmoyant zu werden, laden den Leser zur Teilhabe an ihren
Erlebnissen und Erfahrungen ein. Nicht bemüht, sondern
als selbstverständliche Mitteilung.
Bei manchen Texten ahnt man, dass diese Selbstverständlichkeit
mühsam erarbeitet ist ("Maja kann fliegen"
von Bettina Kutta, "Hunger" von Magdalene Elischewski
oder "Ein bewegtes Leben" von Brigitte Schulze):
Sie beschreiben den Verlust einer Lebensmitte, aus der Distanz
und der Betroffenheit des Mit-Erlebenden. Andere wiederum
sind unmittelbar aus einer bewegenden Kriegs-Situation heraus
entstanden, wie Marianne Krügers Gedicht zum "20.März
2003" (sie ist ansonsten mit stimmungsvollen und lyrischen
Naturgedichten vertreten) oder Annegret Hollenhorst "Merhaba
Shalom". Sigrid Bayer gelingt es, die Wehmut des endgültigen
Abschieds von Geborgenheit und Jugend in ein Vielleicht zu
verwandeln ("Das Haus im Rosengarten").
Anne Michel fasst, getragen von ihrer christlichen Grundüberzeugung,
die Verzweiflung angesichts des Elends und des Leides auf
der Welt in ein Gebet ("O Gott"), das auch die häufig
gespürte Hilflosigkeit des Beters thematisiert. Siegrid
Schwengber nutzt, sprachlich eindrücklich, ironisch gebrochen
die alte Form des naiv scheinenden Kindergebetes "Lieber
Gott, lass mittwochs mich doch Mond sein", um der unerträglich
werdenden Lähmung durch die Gewalterfahrung (und sei
es nur als Zeuge) Herr zu werden oder spießt mit spitzer
Zunge und bissiger Pointe die Pose eines Herrn Hesse und seiner
"Ganz (all-)gemeinen" Ansicht "über Weiber"
auf: "An Hesse" heißt es knapp und bündig.
- Auf manche Fortsetzung kann man gespannt sein.
Dr. Gundhild Müller-Zimmermann
Bentlager Kreis gründet Sektion Keppel
Siegen/Hilchenbach, 8. Juli 2004 - Die Künstlervereinigung
"Bentlager Kreis" hat kürzlich nach einem Lyrik-Workshop
in Hilchenbach mit der "Sektion Keppel" ihre dritte
Sektion gegründet. Zur Zeit haben sich in dieser Gruppe
fünf Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen
Lyrik, Prosa, Malerei und Fotografie zusammengeschlossen.
Während des dreitägigen Workshops unter Leitung
des Schriftstellers Frank Sporkmann standen Lyrik-Theorie,
die Arbeit an den eigenen Texten sowie ein literarischer Exkurs
zum Thema Friedrich Hölderlin auf dem Programm. Wie auch
die beiden anderen Sektionen des Bentlager Kreises (Rheine
und Aachen) wird sich diese Gruppe künftig dreimal pro
Jahr zu Workshops treffen und u.a. auch die Herausgabe eines
Jahrbuches vorbereiten. In Kürze wird die neue Sektion
Keppel auf der homepage des Bentlager Kreises (www.bentlager-kreis.de)
mit künstlerischer Vita sowie Werkproben der Mitglieder
vertreten sein. Die Sektion ist weiterhin offen für Interessenten
( Auskunft elisabeth-weller@gmx.net).
Westfälische Rundschau,
16. Juni 2004
Siegrid Schwengber las
"Em aale Huus": Reizvoller Abend
Hilchenbach-Allenbach. Eine Kerze, eine blaue Wasserflasche
auf dem Tisch, gedämpftes Licht im alten Saal - die rechte
Atmosphäre für eine Dichterlesung. "Manchmal",
wird die Siegenerin Siegrid Schwengber später sagen,
"manchmal passieren mir zwei, sogar drei Gedichte am
Tag."
Eine Auswahl trug sie "Em aale Huus" in Allenbach
vor. Ihre "Gedichte zum Denken und Fühlen"
stießen spontan auf Gegenliebe bei den rund 30 Zuhörern.
Melancholisch, oder auch überraschend frech, bereiteten
ihre Werke im Verein mit der Begleitung durch den Saxophonisten
Wolfgang Molinski einen reizvollen Abend.
Vieles von dem, was Siegrid Schwengber manchmal frei, manchmal
formal strenger in Metrum und Reim ersann, lässt sich
nachempfinden: "Wenn ich die Wahl hätte / dann würde
ich aus einem Ballon / die Welt von oben betrachten. / Den
kleinen Miesepetern da unten / schüttete ich einen Schwall
/ von herzhaftem Lachen aufs Haupt"...
Für die langjährige IHK-Sprecherin, die heute im
Ruhestand lebt, war und ist Lyrik "das überlebensnotwendige
Gegengewicht zur Sachlichkeit des Wirtschaftsjournalismus".
Ursprünglich waren ihre Gedichte nicht für andere
bestimmt. Doch als eines würdig befunden wurde, in eine
Anthologie der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes
aufgenommen zu werden, schöpfte sie Mut. Zu Recht.
Klaus-Peter Eilert
Grafschafter Nachrichten
vom 4. Juni 2004
Auf der Suche nach intakter Umwelt
Lesung von Hanspeter Zimmer mit Musik im Kunstverein
Neuenhaus - Der in Neuenhaus lebende Hanspeter Zimmer ist
der Öffentlichkeit bisher nur als feinsinniger Zeichner
und Maler bekannt geworden. Seit einiger Zeit versucht Zimmer
sich auch auf literarischem Gebiet. Er ist Mitglied des seit
zwei Jahren bestehenden Bentlager Kreises, der regelmäßig
Lyriktreffen veranstaltet und im vergangenen Jahr ein erstes
kleines "Windsänger"-Jahrbuch vorgelegt hat.
Das Büchlein enthält im wesentlichen Lyrik der acht
Mitglieder der Sektion Rheine des Bentlager Kreises, daneben
aber auch fünf Kapitel des Romans "Ladlehare"
(Löffelhase), an dem Hanspeter Zimmer zurzeit arbeitet.
Der englische Titel ist Hinweis darauf, dass Zimmer zu seiner
Arbeit durch den 1972 erschienenen Bestseller "Watership
Down" ("Unten am Fluss", 1975) von Richard
Adams angeregt wurde. "Watership Down" erzählt
die Auswanderung eines Kaninchenvolkes aus seinem bedrohten
Lebensraum in die Freiheit der Hügellandschaft von Hampshire.
In der vergangenen Woche hatte Zimmer zu der Lesung einiger
Kapitel aus seinem Roman in die Räume des Kunstvereins
Graftschaft Bentheim eingeladen. Die Zuhörer erlebten
einen Autor, der seine Texte engagiert vortrug. Besonders
die Landschaftsschilderungen, die größtenteils
auf eigener Kenntnis der Lokalität beruhen. Aber auch
die Einblicke in die Gefühlswelt der vom Menschen bedrohten
Tiere hinterließen ihren Nachhall bei den Zuhörern.
Nicht ganz deutlich wurde allerdings der Untertitel des Werkes
"Der Hase, der in die Zukunft schaut".
Zimmer versuchte in seiner Lesung, den Zuhörern unsere
ökologischen Probleme aus der Perspektive ihrer Opfer
nahe zu bringen. Da gelingt es Kaninchen und Hasen gerade
noch, eine lebensgefährliche Situation zu meistern; aber
immer wieder sind auch zentrale Gestalten der Handlung als
Opfer zu beklagen. Insgesamt sieht die Zukunft des Tiervolkes
zwar düster aus, und doch vermittelt der Autor kleine
Hoffnungsschimmer, die der Natur entspringen.
Die Lesung war in ungewöhnlicher Weise musikalisch unterlegt.
Die Musikstudenten Malte Schiller (Saxophon und Bassklarinette)
und Moritz Sembritzki (E-Gitarre) vermittelten nicht nur zwischen
den Kapiteln die neu entstehende Stimmung, sondern musizierten
gelegentlich auch synchron zur Lesung. Sembritzki spielte
die E-Gitarre so zart wie ein akustisches Instrument, Schiller
setzte abwechselnd das Saxophon für Naturschilderungen
und die tiefe Klarinette für die bedrohliche Zivilisation
ein. Die textangemessene Komposition der beiden und das fein
abgestimmte musikalische Miteinander machten einen wesentlichen
Teil der Wirkung dieser Veranstaltung aus.
Jörg Leune
Fuldaer Zeitung vom 12.Januar 2004
Bentlager Kreis brachte mit "Windsänger"
sein erstes Jahrbuch heraus
Lesung im "Ulenspiegel"
„Schreiben ist – wie vor dem Spiegel stehen und
sich zum ersten Mal selbst richtig sehen“, bekennt Christa
Ohlandt im ersten „Windsänger“, einem Jahrbuch,
das jetzt in der Buchhandlung „Ulenspiegel“ vorgestellt
wurde. Sie gehört zu den acht Autoren, die sich vor zwei
Jahren in Bentlage bei Rheine zum „Bentlager Kreis“
zusammengeschlossen haben.
Die Künstlervereinigung Bentlager Kreis ist eine nachahmenswerte
Idee. Hier treffen sich Menschen, die gern schreiben, in einer
Schreibwerkstatt, um sich intensiv und unter kompetenter Anleitung
mit ihren Texten zu beschäftigen.
Zur Zeit kommt die Gruppe dreimal im Jahr zusammen, liest
und wohnt in Klöstern. Begleitet werden die Sitzungen
von Frank Sporkmann, dessen neues Theaterstück „Der
Weltveränderer“ am 25. Februar in München
Premiere hat.
Wie der Dramatiker erzählte, kommen die Teilnehmer aus
ganz Deutschland, eine zweiten Kreis gibt es im Raum Aachen.
„Wir arbeiten nomadisierend.“ Nach der Gründung
vor zwei Jahren wuchs der Wunsch zu publizieren. Heute Lyrik
unterzubringen, sei eine Sisyphusarbeit, meinte der Schriftsteller.
Eine Gruppe hat damit kein Problem. Für einen geringen
Beitrag wurde der erste Band mit dem Titel „Windsänger“
herausgegeben, der nächste ist in Arbeit. Neue Mitglieder
sind erwünscht und können sich unter www.bentlager-kreis.de
informieren, auch Wochenenden zum Kennenlernen sind geplant.
Bei ihrer Lesung stellten Heide Boehm, Erica Crato, Eva-Maria
Heiland, Anna-Elise Kentner, Christa Ohlandt und Doris Weckherlin
Gedichte, Prosa und ein kurzes Hörspiel vor. Frank Sporkmann
las für die abwesenden Autoren, Gunther Lorz übernahm
den musikalischen Teil.
Inhaltlich waren die Themen breit gestreut. Teils Lebensweisheiten:“Ich
werde damit leben, dass ich dem steten Wandel unterliege“,
teils Naturbeobachtungen oder historische Stoffe wurden aufgegriffen.
Eine Geschichte über Jussuf, den Berber, ein Prosastück
über das Wort – eine Auswahl unterschiedlichen
Anspruchs, wobei immer wieder gelungene Texte hervorstachen
und nachdenklich machten. Ein Abend, der Mut machen sollte
zum Beschäftigen mit dem Wort, zum Austausch mit Gleichgesinnten.
Wie Frank Sporkmann im Vorwort schreibt, ist dieser Band als
Geschenk gedacht, das die Leser „begeistern, inspirieren
und berühren“ möchte.
Westfälische Rundschau
vom 15. Januar 2004
Bentlager Kreis ist offen
für neue Leute
Literarisch Schaffende sind „Einzeltäter“:
Prosa oder Lyrik entstehen meist in einsamen Dichterstübchen.
Der polnische Dichter Stanislaw Jerzy Lec allerdings meinte:
„Der einsame Sucher in der Wüste – würde
er sich umschauen, sähe er viele einsame Sucher in der
Wüste“. Genau dieses Umschauen ist die Basis des
„Bentlager kreises“, eines Zusammenschlusses von
schöpferisch Tätigen. Die Siegener Journalistin
Siegrid Schwengber gehört dazu.
WR: Wie ist der Kreis entstanden, wie groß ist er und
seit wann sind Sie dabei?
Schwengber: Diese Vereinigung ist vor zwei Jahren aus einem
Workshop mit dem münchener Schriftsteller und Dramatiker
Frank Sporkmann hervorgegangen. Der fand auf in Bentlage bei
Rheine statt – daher der Name. Es gibt 18 Mitglieder,
17 Frauen und einen Mann. Die Teilnehmer sind zwischen 35
und 75 Jahren alt und kommen aus vielen Berufen: Ärztin,
Apothekerin, Ökotrophologin, Leute aus dem kaufmännischen
oder pädagogischen Bereich. Ich selbst bin seit einem
Jahr Mitlied. Aus siegen ist auch noch die Schriftstellerin
und Malerin Anne Michel dabei.
WR: Wie funktioniert die Zusammenarbeit konkret?
Schwengber: Wir treffen uns drei Mal pro Jahr zu Workshops.
Der nächste findet vom 5. bis 8. Februar im Haus Keppel
in Hilchenbach-Allenbach statt. Dabei gibt es immer ein Generalthema
– diesmal „Ingeborg Bachmann“. Außerdem
geht es bei diesen Treffen um die gemeinsame Auseinandersetzung
mit eigenen Texten. Im Spätsommer 2004 soll außerdem
ein Jahrbuch mit eigenen Beiträgen erscheinen.
WR: Ist dieser Bentlager Kreis offen für neue Interessenten?
Schwengber: Ja. Nähere Informationen zum Februar-Workshop
gibt es bei mir: Tel 0271/53880. Es gibt auch eine homepage
mit zahlreichen Informationen www.bentlager-kreis.de
Siegener Zeitung vom 4. Februar 2004
Von Wörtern, Taten und Gedichten
Siegrid Schwengber, der Bentlager Kreis und ein Workshop in
Stift Keppel
„Vergiss nicht, dass ein Satz eine Tat ist“.
Diese Warnung Saint-Exupérys, der (wie andere auch)
vor Erfindung der „handlungsorientierten Grammatiken“
die Wirkung des Wortes auf den Punkt gebacht hat, hat Siegrid
Schwengber ihr ganzes Berufsleben lang begleitet. Als langjährige
Pressereferentin der Industrie- und Handelskammer Siegen weiß
sie um Bedeutung und die Wirkung von Gesagtem, Gedrucktem
und Veröffentlichtem. Vielleicht ist es deshalb nicht
verwunderlich, dass sich Siegrid Schwengber nach dem Eintritt
in den Ruhestand auch weiterhin der Verantwortung des Wortes
stellt – und Gedichte verfasst.
Das hat sie im Laufe ihres Lebens immer wieder gemacht, wie
sie im Gespräch mit der Siegener Zeitung erzählt,
aber erst seit kurzem geht sie damit in die Öffentlichkeit.
Auf Anraten eines Bekannten hat sie eine Arbeit an die Nationalbibliothek
des deutschsprachigen Gedichtes geschickt, die ihre Arbeit
auch sofort in ihre Anthologie aufnahm. Ermutigt durch diese
Erfahrung schrieb sie sich in einem Lyrik-Workshop ein, um
ihr theoretisches und praktisches Rüstzeug zu vertiefen.
Auf den ersten Workshop folgte ein zweiter und daran anschließend
die Entscheidung, eine Aachener Sektion des Bentlager Kreises
zu gründen (Aachener Sektion, weil der Workshop in Aachen
stattfand). Aus ganz NRW kommen die Wort-Begeisterten im Alter
zwischen 35 und 75 Jahren, die zumeist neben ihren höchst
unterschiedlichen Berufen schreiben.
Unter der Ägide von Autor Frank Sporkmann treffen sich
die „Aachener Sektionisten“ regelmäßig
zu Workshops, um über ihre Lyrik und die Prosatexte zu
sprechen. Ein erstes Jahrbuch ist in Arbeit, es soll im Herbst
erscheinen und wird beim nächsten Workshop in Stift Keppel
ein Thema sein (vom 5. bis 8. Februar – Informationen
und Kontaktadressen sind auf der Internetseite www.bentlager-kreis.de
zu finden). Außerdem stehen Texte von Ingeborg Bachmann
„auf dem Programm“ und die überaus wichtige
Frage, was Verantwortung für den eigenen Text heißt.
Abgesehen von der ethischen Dimension hat diese Frage auch
eine ästhetische. Siegrid Schwengber hat beispielsweise
die Erfahrung gemacht, dass manche Gedichte „einfach
passieren“, dass sie ihr „aus der Hand fallen“.
Daran schließt sich dann die Reflexion über das
Geschriebene an – auch unter literarischen und formalen
Gesichtspunkten (auch wenn sie deshalb den Text dabei nicht
immer verändert).
Dass ihr „Gedichte passieren“, heißt ja
nur, dass sich Siegrid Schwengber offenbar mit etlichen Themen
so beschäftigt, dass sie sie – bewusst oder unbewusst
– „im Kopf“ schreibt, bevor sie sie zu Papier
bringt. Dabei ist die Bandbreite ihrer mal frei, mal formal
streng aufgebauten Lyriktexte sehr breit: Manche sind witzig
und „respektlos“, entlarven mit mehr als einem
Augenzwinkern Attitüden, Befindlichkeiten und Posen großer
und kleiner Helden, großer und kleiner Angeber des Alltags.
Andere wiederum sind sehr melancholisch, reflektieren die
Endlichkeit von Gefühlen, die einhergeht mit einer unstillbaren
Sehnsucht nach Unendlichkeit. Manchmal gelingt es ihnen in
letzter Sekunde, einen Schimmer Zuversicht zu formulieren.
Andere wiederum beschreiben das Problem der Kommunikation
und das Entsetzen über Sprachlosigkeit, in seinen verschiedenen
Erscheinungsformen.
Der Austausch innerhalb ihrer Arbeitsgruppe hat sie auch ermutigt,
neue Themen und Textformen auszuprobieren. So hat sie beispielsweise
ein Gedicht, das ihr bei einem Besuch in der Münchner
Residenz in den Sinn kam, um einen Prosatext ergänzt,
um auch die Erfahrungen zu formulieren, die das Gedicht gesprengt
hätten. Auch Lautgedichte und visuelle Gedichte hat sie
gemacht.
Dr. Gunhild Müller-Zimmermann
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