Presse

Kreiszeitung Wesermarsch 24.08.2010

Vorbei an wilden Gärten und Gemäuern
Lyriklesung im Museum: Autorin Siegrid Schwengber nimmt ihre Zuhörer mit auf eine Gedankenreise

VON TINA DITTMANN
BRAKE. "Der Mensch zerfällt in zwei Teile: In einen männlichen, der nicht denken will, und in einen weiblichen, der nicht denken kann. Beide haben sogenannte Gefühle; man ruft diese am sichersten dadurch hervor, dass man gewisse Nervenpunkte des Organismus in Funktion setzt. In diesen Fällen sondern manche Menschen Lyrik ab", zitierte die Oldenburger Autorin Siegrid Schwengber Kurt Tucholsky zu Beginn ihrer Lesung "Gedankenreisen" im Borgstede- und Becker-Haus. Beeindruckt lauschten die Zuhörer den melancholischen oder manchmal auch überraschend fröhlichen und sinnlichen Lyriktexten der ehemaligen Wirtschaftsjournalistin. Begleitet wurde die Lesung von der Braker Jazzformation Projekt VII. Die Bandbreite der Lyriktexte von Siegrid Schwengber ist breit. Manche sind sehr melancholisch, reflektieren die Endlichkeit von Gefühlen. Andere sind eher witzig, beschreiben mit einem Augenzwinkern Befindlichkeiten und Attitüden großer und kleiner Helden.

Seufzende Steine

Die Gedankenreise führte die Zuhörer in Brake vorbei an wilden Gärten, in denen alte Gemäuer der Zeit trotzen, und seufzenden Steinen, die wünschten, eine Feder zu sein, an viele Orte. Siegrid Schwengber verweilte an der menschenleeren winterlichen Promenade auf Borkum, genoss den Oktober auf dem Darß oder steuerte Sehnsuchtsziele unter der Sonne Mexikos an. "Die Lyrik, sagte Siegrid Schwengber, sei das überlebensnotwendige Gegengewicht zur Sachlichkeit des Wirtschaftsjournalismus. Ursprünglich waren ihre Gedichte nicht für andere bestimmt. Doch als eines würdig befunden wurde, in eine Anthologie der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes aufgenommen zu werden, schöpfte sie Mut. Nachdem ihre Kinder aus dem Haus waren widmete sich Siegrid Schwengber ganz der Poesie.


Westfälische Rundschau 8. Januar 2010

POETEN IM SIEGERLAND

Die Wilnsdorferin Maria Flender schreibt seit 1985 Gedichte - Vertrautes wird verfremdet und Fremdes wird vertraut

Inspiriert "Vom weißen waagerechten Wald"

Knut Lohmann

Wilnsdorf. Eines Morgens im Jahre 1985 hatte Maria FIender aus Wilnsdorf ein Erlebnis, das ihr weiteres Leben prägte: Das erste Gedicht war da. Sie fühlte sich regelrecht überfallen - überfallen vom Schreiben. Das machte sie glücklich, aber auch unglücklich. Seitdem schreibt sie, die bislang nur gemalt hatte. So wurde sie Lyrikerin.
Bis heute ist es so: Oft wird ihr die erste Zeile eines Gedichtes geschenkt. "Vom weißen waagerechten Wald" war ihr eingefallen, als sie am Morgen durch die Winterlandschaft von Wilnsdorf nach Siegen fuhr. Die weiteren Verse entstehen, durch "Suche im Ungefrorenen" oder - etwas technischer ausgedrückt durch anhaltende Arbeit an der Sprache, bei der es auch darauf ankommt, jene Art von Kürze zu finden, die kein Geschwafel erlaubt.

Sprachhandwerk gemeinsam lernen

Sprachhandwerk, soweit noch nötig, lernt sie im Bentlager Kreis mit anderen Autoren unter Anleitung des Schriftstellers Frank Sporkmann. Hier erfährt sie auch menschliche Anregungen und die Ermutigung, die Lyriker brauchen, um nicht in der Isolation zu ersticken. Denn wenngleich es ihr sehr wichtig ist, dass andere Menschen etwas mit dem anfangen können, was sie schreibt: Es sind nur
wenige, die den Zugang finden zu einer Lyrik, die sich hohen Ansprüchen verpflichtet fühlt, nämlich zum Dienst an der Schönheit.
Maria Flenders Gedichte wirken deswegen nicht blutleer oder abstrakt - im Gegenteil: Sie sind voller Sinnlichkeit, ja sogar voller Erotik. Aber es ist feinnervige Sinnlichkeit, die, sich hier ausdrückt, in der das Leben pulsiert, aber kaum Wonnen der Gewöhnlichkeit Ausdruck finden. Erlebnisse von früher verbergen sich in den Zeilen, Wunschträume entbergen sich im Gesagten.

Metaphern voller Überraschungen

"Aufgeleckter Goldbesitz / in eine Höhle getragen / den Vorrat verdunkelt" - das sind die ersten drei Zeilen eines Gedichtes, das Flender "Zeit" betitelt, hat: befremdliche Wortfügungen, Ausdruck sinnlicher Einverleibung eines Schatzes, den die Dichterin. vor anderen verbergen möchte, um ihn nicht preisgeben zu müssen. Es geht weiter und schließt: ,,Bisweilen / trenne ich eine Scheibe ab / zerbrechlich wie Alabasterglas" - mutig gewählte Metaphern stecken voller Überraschungen und fügen sich doch artig zum Ganzen: Fremdes soll in ihrer Lyrik vertaut und Vertrautes verfremdet werden. Vertrautes und Fremdes sollen die Plätze tauschen. Und was sich einschmeicheln möchte, wird in Frage gestellt: dem Vers "... silbermilde, geigt die Nacht" folgen im Gedicht "Juni" die Zeilen "Als der Morgen steigt / ertönt Uhu-Ruf verwirrend hohl". Maria Flender veröffentlicht ihre Gedichte in Anthologien oder in den Jahrbüchern des Bentlager Kreises, dessen jüngstes ,,Brücken über Gletscherspalten" tituliert ist. Oder sie macht sie in Lesungen bekannt. "Weitergeht die Reise / in fernes Land / Weit und breit nicht deine Stadt" (aus "Episode").


Die Glocke - Juli 2009

"Alltagsmenschen"-Lyrikwettbewerb
Schwierige Entscheidung

Rheda-Wiedenbrück (wi).
Die Preisträgerin des Gedichts des Monats Juni beim "Alltagsmenschen"-Wettbewerb rund um die Skulpturen der Künstlerin Christel Lechner heißt Annegret Hollenhorst aus Spexard. Sie war bereits im Jahr 2008 im Prosawettbewerb mit einer Kurzgeschichte erfolgreich gewesen.

16 Gedichte, Sonette, Stanzen, Volksliedhaftes (in Chevy-Chase, Vagantenstrophe und abgeleiteten Formen) sind für den Juni zur Auswahl des Monats-Gedichts eingegangen. Die Jury um den Leiter der Volkshochschule Reckenberg-Ems, Dr. Rüdiger Krüger, tagte lange. Sie habe laut gelesen, gelacht, verworfen, den Kopf geschüttelt, sich gewundert, war zu erfahren. Es sei schwierig gewesen, eine Entscheidung zu treffen.
Annegret Hollenhorst lieferte die dreistrophige Stanze "Loreley Ir" ab. Rhythmisch nehme das Gedicht den Schwung dieser Vers art mit den mehrfach gedoppelten Reimklängen auf, urteilten die Juroren. Und weiter: Ohne die Sprache zu verbiegen, finde die Autorin die Balance zwischen moderner Sprache und leicht gehobenern, an die Romantik anklingendem Sprechen. Das sei eine Ausdrucksweise, die auch auf den Inhalt verweise.
Die Jury: "Hier geht die innere Reflexion des eigenen künstlerischen Schreibvermögens über in einen inneren Dialog mit den Alltagsmenschen, um sich schlussendlich in üppigen weiblichen Formen zu verlieren, Heinrich Heine einen Wink über die Jahrhunderte zuwerfend." Die Preisträgerin habe ein in seiner Form, seinem Aufbau und seiner inhaltlichen Konsequenz ausgesprochen schönes, gelungenes Gedicht abgeliefert.
Auf Platz zwei landeten Franziska Röchter mit dem frech-flotten Tanz-Sonett "Courante" und Dietlind Brödel-Waschke ebenfalls mit einem allerdings etwas verhalteneren Sonett "Stilles Funkeln". Platz drei sicherten sich Urte Wagner, mit dem balladenartigen Volkslied "Tristan und Isolde und Herr König" und der Mai-Gewinner Gerhard Waschke mit der dreistrophigen, augenzwinkernden Stanze "Dreierlei Eindrucksfantasien".

LORELEY II: DAS SIEGERGEDICHT
VON ANNEGRET HOLLENHORST


Von einer kleinen Stadt in Ostwestfalen
erzählt man sich in jüngster Zeit Geschichten.
Zwar - leider - fehlt mir das Talent zum Malen,
doch das Talent zum Schreiben fehlt mitnichten;
wie "Alltagsmenschen" trotzen dem Banalen,
davon möchte ich euch schriftlich hier berichten.
Indes, die Qual der Wahl nun zu bezwingen,
fiel schwer, doch Schweres liegt in vielen Dingen.

Von den Betonfiguren angezogen,
ging meine Fantasie nun auf die Reise.
Dann habe ich verworfen und erwogen,
dann sprachen sie mit mir, mal laut, mal leise,
und nichts in ihren Gesten war erlogen,
und jede rührte mich auf ihre Weise,
bis mich die eine schließlich so betörte,
dass ich im Geist ein altes Volkslied hörte:

Auf einer Bank, gar lieblich hingegossen,
liegt eine Jungfrau unter Rosendüften.
Auf ihrer Nase sprießen Sommersprossen,
und in den Himmel ragen ihre Hüften,
ein jeder Jüngling sei in sie verschossen, .
das zwitschern selbst die Spatzen in den Lüften.
Wenn diese dralle Jungfrau säß, am Rheine,
wär sie ein trefflich Werk für Heinrich Heine!


Westfalen-Blatt Nr. 163 - Freitag, 17. Juli 2009

Dichterischer Balanc -Akt in drei Strophen
Annegret Hollenhorst aus Spexard gewinnt mit ihrem Gedicht über die Alltagsmenschen den Juni-Wettbewerb

Rheda-Wiedenbrück (WB/de).
Die Preisträgerin des Gedichts des Monats Juni beim Alltagsmenschen-Wettbewerb rund um die Skulpturen der Künstlerin Christel Lechner heißt Annegret Hollenhorst aus Spexard. Sie war bereits im Jahr 2008 im Prosa-Wettbewerb erfolgreich und hat ihr Schreibtalent auch schon überregional preisgekrönt bewiesen.

16 Gedichte, Sonette, Stanzen, Volksliedhaftes (in Chevy-Chase-, Vagantenstrophe und abgeleiteten Formen) sind für den Juni zur Auswahl des Monats-Gedichts eingegangen. Die Jury tagte lange. Sie hat laut gelesen, gelacht, verworfen, den Kopf geschüttelt, sich gewundert. Es war schwer, denn die Spitze war eng und doch galt es bei aller schwierigen Suche zu entscheiden.
Annegret Hollenhorst lieferte die dreistrophige Stanze "Loreley II" ab. Rhythmisch nimmt das Gedicht den Schwung dieser Versart mit den mehrfach gedoppelten Reimklängen auf. Ohne die Sprache zu verbiegen, findet sie die Balance zwischen moderner Sprache und leicht gehobenem, an die Romantik anklingenden Sprechen; einer Ausdrucksweise, die auch auf den Inhalt verweist. Hier geht die innere Reflexion des eigenen künstlerischen Vermögens "Schreiben", über in einen inneren Dialog mit den Alltagsmenschen, um sich schlussendlich in üppigen weiblichen Formen zu verlieren; Heinrich Heine einen Wink über die Jahrhunderte zuwerfend. Ein in seiner Form, seinem Aufbau und seiner inhaltlichen Konsequenz ausgesprochen schönes, gelungenes Gedicht.
Auf Platz zwei landeten Franziska Röchter mit dem frech-flotten Tanz-Sonett "Courante" und Dietlind Brödel-Waschke ebenfalls mit einem allerdings etwas verhalteneren Sonett "Stilles Funkeln". Auf Platz drei sicherten sich Urte Wagner, mit dem balladenartigen Volkslied "Trist an und Isolde und Herr König" und der Mai-Gewinner Gerhard Waschke mit der dreistrophigen, augenzwinkern
den Stanze "Dreierlei Eindrucksfantasien" den Erfolg.
Für die Jury gratulierten Dr. Rüdiger Krüger von der VHS und die Künstlerin Christel Lechner, gemeinsam mit Ute Ehlert von der 3C Gruppe der Preisträgerin und den Platzierten. Sie sind auch schon sehr gespannt auf das Juli-Gedicht.

 


 

Alltagsmenschen-Schreibwettbewerb
Spexarderin hat Erfolg mit "Marthas Modelmaße"

Rheda-Wiedenbrück (rob). "Die Geschichte ist gut aufgebaut und toll erzählt": Volkshochschulleiter Dr. Rüdiger Krüger hat bei der Prämierung der schönsten "Alltagsgeschichte" vom Juli die Arbeit von Annegret Hollenhorst herausgehoben. Die Spexarderin hatte mit einer Kurzgeschichte unter dem Titel "Marthas Modelmaße" die Kurven der Alltagsmenschen thematisiert. "Unheimlich reizvoll", urteilt auch Alltagsmenschen-Künstlerin Christel Lechner.

Schnell war der Jury, bestehend aus Dr. Krüger und Lechner, klar, dass die Preisverleihung vor der mit ihren Pfunden so herrlich wuchernden "Ariadne" stattfinden müsse. "Ich hatte beim Lesen die Ariadne stets vor Augen", erzählte Dr. Krüger. Insgesamt gingen in der dritten Runde des Schreibwettbewerbs 13 Beiträge ein. Vorsiegerin Franziska Röchter landete dieses Mal auf Rang drei.
Annegret Hollenhorst, die gleich mit ihrer ersten "Alltagsgeschichte" Erfolg hatte, darf als geübte Autorin bezeichnet werden. "Es macht mir Spaß mit Worten zu gestalten", erklärt die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und heutige Hausfrau. Gewöhnlich schreibe sie indes eher Lyrik, sagte die Gütersloherin: "Kurzgeschichten sind für mich deshalb schon etwas Besonderes." In Gütersloh hat Hollenhorst mit anderen Autoren einen Lyrikreis gegründet, mit dem sie gelegentlich Lesungen veranstaltet oder Jahrbücher herausbringt. Die Prämierung bei den Alltagsmenschen war bereits ihre zweite Auszeichnung. 2003 hatte sie beim Wettbewerb der nationalen Bibliothek Deutscher
Gedichte in München einen Preis gewonnen.
Die vierte Runde des Literaturwettbewerbs läuft gerade. Bis morgen, Freitag, nimmt Dr. Krüger dafür noch Kurz- oder Mikrogeschichten per E-Mail entgegen. Die Kurzgeschichten sollen in einem engen Bezug zu einer speziellen Figur oder einer Figurengruppe der Lechner-Skulpturen stehen. ,.Das können witzige, skurrile Begebenheiten sein. romantische Liebesgeschichten oder wirre Träumereien", so Dr. Krüger.
Bis Ende September läuft der von 3C-Gruppe und Volkshochschule Reckenberg-Ems gemeinsam. ausgeschriebene Wettbewerb. Aus allen eingesendeten Kurzgeschichten wird im Oktober die "Alltagsgeschichte 2008" ausgewählt und im Rahmen einer Veranstaltung mit einer Lesung herausragender Mikrogeschichten der Öffentlichkeit vorgestellt. Für die Monatssieger und für den Autor der "Alltagsgeschichte 2008" sind kleine Lechner Kunstwerke als Siegprämien ausgelobt.

E-Mail: W ruediger.krueger@vhs-re.de


 


Kurze Geschichte über reizvolle Kurven
Gewinnerin schreibt "Marthas Modelmaße"

Rheda-Wiedenbrück (NW). "Die Geschichte ist gut aufgebaut und toll erzählt" Dr. Rüdiger Krüger, VHS-Leiter, lobt die "Alltagsgeschichte" von Annegret Hollenhorst Die Gütersloherin hat mit der Kurzgeschichte "Marthas Modelmaße" Kurven thematisiert. "Unheimlich reizvoll", urteilt die Künstlerin Christel Lechner über das Werk. Den beiden Juroren war schnell klar, dass der Preis für Juli vor der mit ihren Pfunden wuchernden Ariadne sein müsse. "Ich hatte sie beim Lesen stets vor Augen", so Krüger. Insgesamt gingen in der dritten Runde 13 Beiträge ein.
Hollenhorst darf als geübte Autorin bezeichnet werden. "Es macht mir Spaß mit Worten zu gestalten", erklärt die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und Hausfrau ihr Faible. Gewöhnlich schreibe sie eher Lyrik. "Kurzgeschichten sind für mich deshalb etwas Besonderes." In Gütersloh hat Hollenhorst mit anderen einen Lyrikkreis gegründet, mit dem sie Lesungen veranstaltet oder Jahrbücher herausbringt.
Bis Ende September läuft der Wettbewerb von 3C Gruppe und VHS. Texte nimmt der VHS-Leiter entgegen unter ruediger.krueger@vhs-re.de.


Ariadne schaut zu: Ute Ehlert (3C Gruppe l.) und Dr. Rüdiger Krüger gratulieren Annegret Hollenhorst mit einem Blumenstrauß. FOTO: NW



Gelungene Mixtur aus Lyrik und Jazz
Musikalisch begleitete Lesung im Spexarder Bauernhaus

Gütersloh (msc). Der dritte literarische Abend des Heimatvereins Spexard war einer der besonderen und heiteren Art. Die heimische Lyrikerin und Dichterin Annegret Hollenhorst gab auf dem Fleet des Bauernhauses Lyrik und Prosa aus eigener Feder zum Besten. Zur Freude des Veranstalters fand sich eine stattliche Zuhörergemeinde im Fachwerkhaus ein.
Mit Lyrik, Prosa und Musik hatten Annegret Hollenhorst und Saxophonist Benedikt Hensdiek aus Friedrichsdorf den Nerv des Publikums getroffen. Die Zuhörer bedankten sich nach knapp 90 Minuten mit lautem Beifall, denn sie hatten einen humorvollen Abend erlebt und wurden in den kurzen Hörpausen mit leichter und sanfter Jazzmusikverwöhnt.
Die Themen der Gedichte und Kurzgeschichten spannten sich von Urlaubsimpressionen, romantischer Naturlyrik der Jahreszeiten und zynischer Gesellschaftskritik zu Kriegen auf dieser Welt bis zum Vermischten mit Humor. In "Blickdicht" werden nach Ansicht der Dichterin die Frauen im Alter blickdichter und damit uninteressanter und die Männer interessanter wegen der grauen Schläfen.
Unter der Überschrift "Heimat" beschreibt Annegret Hollenhorst den kargen Alltag auf dem Land und erzählt das Erlebte und Gefühlte der einfachen Landbevölkerung. Sie selbst ist auf einem Bauernhof in Avenwedd groß geworden und hätte als Kind gerne in der Stadt gelebt. Erst später hat sie festgestellt, wie schön die Jugend auf dem Land war und ließ dieses in ihren Geschichten widerspiegeln.
Der Bogen zur plattdeutschen Sprache durfte in kurzen Beiträgen nicht fehlen. Zu Liebe, Lust und Leben hatte die mehrfach ausgezeichnete Lyrikerin zehn kurzweilige Stücke aus ihrem großen Repertoire ausgewählt. In "Von der Liebe" spricht sie von Höhen und Tiefen, wobei es doch die schönste Last der Welt ist. Der Traum vom Zusammen-alt-werden und die Leidenschaft sind ebenso in ihren Texten zu finden.
Mit etwas heiterem in Form von frischen Reimen klang der gelungene Abend aus.

Begeisterten ihr Publikum
Annlegret Hollenhorstund der Saxophonist Benedikt Hollenhorst traten
im Spexarder Bauernhaus auf

FOTO: MARKUS SCIHUMACHER

 


PNP - Montag, 28. April 2008 FF Nr. 99

StillerWiderstand hilft Bedrohungen überwinden
Ortwin Haertel liest aus seinem Buch

Freyung. "Zwei Hauptthemen der Gedichte von Ortwin Haertel sind die Bereiche Kinder und Heimat
aber eine Heimat mit Rissen", mit diesen Worten fasste Notar Rudolf Burghart in seinem Schlusswort die Eindrücke zusammen, die er bei Ortwin Haertels Lesung in der Stadtbibliothek Freyung gewonnen hatte.
Tatsächlich sind die "Heimat"- Gedichte des 52-jährigen gebürtigen Freyungers, der jetzt in München
lebt, keine idyllischen Lobpreisungen heimatlicher Landschaft und Menschen. Im Gegenteil. Die Heimat in Haertels Gedichten ist eine unvollkommene, gefährdete, zerrissene. So beschreibt er zum Beispiel die Schrecken des früheren "eisernen Vorhangs", der die Welt in zwei Blöcke teilte. Aber auch andere Gefährdungen, zum Beispiel atomare Bedrohung durch Krieg und Atomkraftkraftwerke, prägen Haertels
Bild von Heimat in seinen Gedichten. In kraftvollen, düsteren Bildern spiegelt sich das Bedrohliche in den Gedichten wider. Aber Haertel beschränkt sich nicht auf die dunklen Seiten. In manchen seiner Gedichte lässt er auch Hoffnung anklingen. "Stiller Widerstand", das war auch das Motto von Haertels Lesung, sei nötig, damit der Mensch die Bedrohungen überwinden könne.
Ein zweiter Schwerpunkt von Haertels Lesung war der Bereich Kinder. Ortwin Haertel weiß hier, wovon er schreibt und spricht: Er arbeitet nämlich als Erzieher und zum anderen besteht seine Familie neben seiner Frau Claudia aus drei Pflegekindern und einem leiblichen Kind.
Immer wieder schildert Haertel in seinen Gedichten eindrucksvoll das traurige Schicksal vieler Kinder, die einsam sind und sich nach Liebe und Geborgenheit sehnen. Doch auch hier vermittelt Haertel Zuversicht, indem er den anrührenden Gedichten über die Hilflosigkeit und Verzweiflung von Kindern positiv gestimmte Gedichte gegenüberstellt, die kindliche Lebenslust und familiäre Geborgenheit zum Ausdruck bringen.
Ortwin Haertels präzise Vortragskunst wurde wunderbar ergänzt durch Stephan Heigl, alias Stevie Casino, der die Gedichte musikalisch umrahmte. Die von Stevie Casino virtuos am Keyboard gespielten Eigenkompositionen und selbst gestalteten Arrangements bekannter Nummern waren allerdings weit mehr als bloße Begleitmusik, sondern eine Fortsetzung der Gedichtlesung mit musikalischen, Mitteln. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung in einer angenehmen Umgebung mit der charmanten Gastgeberin Waltraud Wegele, die sich über weitere Veranstaltungen dieser Art sicher freuen würde. - ruh


Nordkurier 14. Mai 2007

Souverän das "Besondere" artikulieren

Die Berliner Sektion des "Bentlager Kreises" brachte im Reimann-Haus Lyrik zum Klingen.

VON GUNDULA ENGELHARD

NEUBRANDENBURG. "Die Berliner sind etwas Besonderes im Bentlager Kreis", bereitete Frank Sporkmann das Publikum im Brigitte-Reimann-Haus am Freitagabend vor. Sechs Autorinnen der Sektion Berlin brachten Lyrik und Prosa zum Klingen. Der Musiker Uwe Baumgartner nahm die Stimmung der Worte mit seinen Instrumenten auf und vertraute auf den eigenen Ton.
Der freiberufliche Schriftsteller und Dramatiker Frank Sporkmann ist Mentor des Bentlager Kreises und hatte die Lesung in Neubrandenburg angeregt. Bis Mitte der 1990er-Jahre lebte und arbeitete der auf Rügen geborene Autor in Mecklenburg-Vorpommern und wurde als Kulturwerker namhaft. Fast auf den Tag genau vor zwölf Jahren habe er Deutschland verlassen, "weil der Feind immer noch da war: Ignoranz und Desinteresse".
Arbeit und Reisen führten ihn nach Amsterdam, Australien, Indonesien und London. Nunmehr in München, ist Sporkmann auch Theaterkritiker. Anlässlich einer Schreibwerkstatt im Benediktinerkloster des Rheineschen Stadtteils Bentlage gründete sich 2002 der Kreis als "offene Initiative von künstlerisch tätigen Menschen aller Altersklassen und unterschiedlichster Berufe". Inzwischen hat der Bentlager Kreis in fünf Sektionen 36 Aktive, denen Sporkmann "eigene Erfahrungen des Kunstschaffens und Erfahrungen aus der Kunstgeschichte" vermittelt. Ohnehin gelte, Workshops seien Sache von Künstlern - Germanisten oder Kunstwissenschaftler könnten die Erwartungen nicht erfüllen. Seine Arbeit als Mentor ziele darauf, "das künstlerische Subjekt dahin zu begleiten, dass es das ,Besondere' artikulieren kann." Ingrid Gorr, Judith Kohlmeyer, Irmgard Lauff, Konstanze Reupsch, Monika Schaack und Babette Werth gaben mit dem Titel das Programm vor und lösten das Versprechen ein, die "rechten Winkel der Träume" (Gorr) zu erkunden. Unvereinbar scheinen abgezirkelte Sperrigkeit und unkontrollierbare Fantasiesprünge. Die Gefäße Gedicht und Prosaminiatur bestehen den Haltbarkeitstest: Gebundene und freie Rhythmen und Erzähltes erreichen den Hörer. In jeder der fünf Text-Serien halten die Autorinnen den Bogen gespannt, bis sich am Ende der ganze Kreis schließt (ironischerweise mit der "Hymne auf das Wort ,müssen'", Lauff). Sammlung und Konzentration ist gefragt, die Folge der Stimmen ist kein Schongang.
Die Texte greifen Alltagsbeobachtungen auf, streifen Privates, erinnern an Geschichte, geraten aufs politische Feld, loben die Natur und reflektieren Nachdenken über Vergänglichkeit. Reflexionen über Konflikte mit Nachbarn, die das Gartenidyll nicht anerkennen wollen, über den Panzer, dem Ich mutmaßlich in untergründiger Manier angelegt, oder über Sprachhandeln, das sich verweigert, wechseln mit Gedichten in drei Versen ("Göttliches erwartet./Wunder gesucht./Gefunden: Mich.", Kohlmeyer). Keine Frage; das Besondere bleibt haften. Besonderes an der Berliner Sektion des Bentlager Kreises? Die Souveränität im Texten und Auftreten. Die Lesung bildete den Auftakt für einen Wochenend-Workshop mit Mentor Sporkmann in Rollenhagen bei Judith Kohlmeyer.


DIE GLOCKE, 19. Februar 2007


Bentlager Kreis Aachen
"Wetter brennt": Lyriker beziehen Stellung
zur Bildungsmisere

Rietberg (sog) . Die Vorlesung des Bentlager Kreises Aachen im Heimathaus Rietberg bot einen Abend der besonnenen und heiteren Art. Im dämmrigen Licht präsentierten die sechs Autorinnen Lyrik und Prosa aus ihrem Jahruch 2006, das den Titel "Als die Nacht ans Ufer schwamm" träg. Von tief romantischen Stücken bis hin zu gesellschaftskritischen Texten erwartete das Publikum ein weites Themenspektrum.

Für die musikalische Begleitung sorgte der Saxohonist Benedikt Hensdiek aus Spexard. Der Bentlager Kreis ist eine offene Initiative aus Literatur, bildender Kunst und Musik, die sich in fünf Sektionen teilt. Im Jahr 2003 gründete sich die Aachener Sektion aus einem Lyrik-Workshop uner der Leitung des Münchener Schriftstellers Frank Sporkmann. "Die Möglichkeiten, seine Arbeiten zu publizieren, sind sehr gering, da dies hauptsächlich über Verlage läuft", begründete Sporkmann die Entscheidung, selbständig Texte zu veröffentlichen.

Zur Freude der Veranstalter fanden sich zahlreiche Zuschauer im Heimathaus zusammen. Mit sanften Saxophonklängen stimmte Benedikt Hensdiek die Gäste zu Beginn auf die kommende poetische Kost ein. Die Themen der Gedichte und Textstücke spannten sich über romantische Naturlyrik, zynisce Gesellschaftskritik, pointierte Alltagserlebnisse und barock-expressionistische Lebensdarstellungen. "Des Lebens Lauf" von Siegrid Schwengber zeigte die Frau von heute, die zuerst von Fete zu Fete zieht und später dann doch als Hausfrau in Birkenstock-Sandalen am Herd steht.

Mit "Kinderfrage" stellte die Künstlerin den Krieg und den damit verbundenen Verlust von Mutter und Vater in Frage. "In der heutigen Gesellschaft findet Lyrik immer mehr Zuspruch", befand sie. Um sich weiterzuentwickeln, sei man dabei auf das Echo des Publikums angewiesen. "Man schreibt über Dinge, die einen persönlich betreffen, die einen bewegen. Natürlich greifen wir auch Themen auf, die benannt werden müssen", erklärte Bettina Kutta ihr literarisches Anliegen. Mit "Wetter brennt" nahm sie Stellung zur Bildungsmisere an deutschen Schulen, der Verwahrlosung der Jugendlichen und der politischen Kurzsichtigkeit.

Dass Lyrik auch von Klängen lebt, verdeutlichte vor allem Brigitte Schulze-van der Wal. In "Liebe ist" verband sie hörbares Gefühl mit erhellendem Wortspiel. Auch die Spexarderin Annegret Hollenhorst, die im Jahr 2003 einen Preis mit ihren Gedichten gewann, präsentierte ihre Arbeiten im Rahmen der Vorlesung. Ihr Stück "Das Erbe" handelt von einer Frau, die ihre Habseligkeitstruhe hervorkramt mit Steppbett und altem Fuchsschal, da sie glaubt, es könne bald zu spät sein. Dieser Handlung gab die Lyrikerin ein unerwartet komisches Ende. Zwischen den einzelnen Textbeiträgen wurde die Atmosphäre durch die musikalische Begleitung aufgelockert. Benedikt Hensdiek präsentierte Eigenkompositionen und Improvisationen, die sich an den Inhalten der Gedichte orientierten.


PNP, 06.03.07
Stiller Widerstand in wuchtiger Lyrik
Gedichte und Gitarrenklang im Café Museum


Ortwin Haertel liest im Café Museum aus seinem Buch "Stiller Widerstand", Günther Kerbl begleitet ihn auf der Gitarre. (Foto: Warmuth)

"Stiller Widerstand" heißt das erste Buch des gebürtigen Freyungers Ortwin Haertel. Die rund 20 Zuhörer im Café Museum wussten also von vorne herein, dass sie keine leichte literarische Kost erwartet. "Im Wald rebelliert man innerlich", sagte der Autor von sich selbst und verabreichte den Zuhörern Gedichte, die sie tief berührten.
Ortwin Haertel folgt in den wuchtigen Texten seinem ureigenen Rhythmus und verwendet ein ungewöhnliches Versmaß. Die Themen seiner Lyrik reichen von seiner Waldheimat und dem benachbarten Böhmen bis Nordafrika, wo er ein Jahr lang inhaftiert war. Haertel spart aber auch Umweltkatastrophen nicht aus und tut dies mit Wortschöpfungen wie "Bittergrund". Im Kernkraftwerk Ohu herrscht ein "dunkler Gesang vom Tod" und "das Herz fühlt der Moleküle wundes Blut".
Am meisten aber berührten die Zuhörer die Gedichte an die Heim-, Hort- und Pflegekinder. "Ihr erntet die Ängste, die ihr nicht gesät habt", heißt es in einem der Gedichte. "Du bist uns ins Herz geboren", schreibt Haertel an einen seiner drei Pflegesöhne.
Und so entwickelte sich nach der Lesung eine sehr intime Zwiesprache zwischen Autor und Zuhörerschaft. Diese sah bestätigt, was Ortwin Haertel zu Beginn seiner Lesung sagte: "Ich schreibe nur, was ich selbst erlebt habe." Zwischen den Gedichten spielte Günther Kerbl auf der Konzertgitarre alte, spanische Musik, darunter die anrührende Romanze eines anonymen Komponisten und ein Stück von J. S. Bach.
Gertie Falk


Das Buch "Stiller Widerstand" ist im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-8334-4959-4 für 8,90 € erhältlich. Illustriert ist es von Petra Klingermann, die mit dem Erzieher Ortwin Haertel und dem Maler Günther Kerbl dem Münchner Bentlager Kreis angehört.


 

Gronau, 21. November 2006

Wettlauf gegen die Zeit

"Ladlehare" - vom Weg der Tiere in eine mögliche, bessere Zukunft

Hanspeter Zimmer: "Es liegt in der Hand der Kinder, was aus der Welt wird"

GRONAU . "Ich wollte eigentlich kein Buch schreiben", sagte Hanspeter Zimmer zu Beginn seiner Lesung im Bürgermeisterhaus, organisiert vom Gronauer KulturKreis. Er sei ein bildender Künstler. Und das war in seiner Geschichte über den Hasen Ladlehare, was soviel wie Löffelhase heißt und in einer Hügelgruppe im südlichen England spielt, unüberhörbar.

Das Buch war der Begegnung der besonderen Art geschuldet, verriet der pensionierte Kunstlehrer, der 2003 an diesem Ort seine Bilder ausgestellt hatte und vielen Gronauer Bürgern darüber hinaus eben auch als Lehrer bekannt ist. Dreizehn Jahre habe er an dem Buch geschrieben, verriet Hanspeter Zimmer. Damals sei er in Südengland gewesen und habe bei seinen einsamen Radausflügen plötzlich einem Hasen Aug' in Aug' gegenüber gestanden. "Hallo" sei die Sprache, mit der man mit Hasen kommunizieren kann, erfuhren die Zuhörer in der Stadtbücherei. Und was der kunstsinnige Mann dann von dem Tier zu hören bekam, formte sich zwanghaft zu dem vorliegenden Buch.
Hanspeter Zimmer erzählt aus Sicht des Hasen "Ladlehare", so auch der Titel des Buches, vom Weg der Tiere in eine mögliche, bessere Zukunft. Auf ihrer abenteuerlichen Wanderung durch die von Menschen veränderte Landschaft erleben die beredten Hasen den zerstörerischen Eingriff der Menschen in die Natur und ihren Haushalt. Symbolträchtig ist der Wettlauf der Hasen, ein Wettlauf gegen die Zeit.
Autor Zimmer stellt seiner Abenteuergeschichte nackte Fakten über das Abholzen der Regenwälder gegenüber. Das war in der Lesung verwirrend. Eben noch mit den Hasen auf der Suche nach einem neuen Revier durch Getreidefelder, in Scheunen und über breite Autobahnen gewetzt, hörte man plötzlich vom Verschwinden der Wälder in Kamerun. Zimmer unterstreicht mit diesem harten Schnitt zwar die Dringlichkeit, seiner Geschichte aber ist es weniger zuträglich. Sein Anliegen ist deutlich: Als Verfechter eines sanften Tourismus, liegt ihm der Schutz der Umwelt am Herzen. Er setzt auf die Kinder. "Es liegt in der Hand der Kinder, was aus der Welt wird", sagte Hanspeter Zimmer. "Ladlehare" ist aber kein Kinderbuch. Der Autor meinte: "Ein Familienbuch zum Vorlesen." Besonders schön sind seine Illustrationen. Hier zeigt sich der genaue Beobachter und feinfühlige Zeichner, der Hanspeter Zimmer von Haus aus ist.

Simone Hartau


Westfalen-Blatt, 12./13. August 2006

"Meine Inspiration ist der Alltag"
Spexarder Lyrikerin Annegret Hollenhorst hat ihren Schreibblock immer dabei

Von Miriam Instenberg
Gütersloh-Spexard (WB).
Jeder Mensch hat mindestens en Talent, beweist im Umgang mit einer bestimmten Sache besonderes Geschick. Im Fall von Annegret Hollenhorst ist das das Wort. Schon als Kind schrieb sie kleine Geschichten, im Jahr 2003 gewann die Spexarderin einen Preis für ihre Gedichte beim Lyrikfest in Basel. Nun sprach sie mit dem WESTFALEN-BLATT über ihre Pläne für die Zukunft.

Das preisgekrönte Gedicht "Was für ein Krieg?" wurde in die Anthologie der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes aufgenommen, und auch das Gutachten, das ihr über ihre lyrischen Fertigkeiten ausgestellt wurde, beweist Annegret Hollenhorsts großes Talent. Doch was ist seither passiert? "Zunächst habe ich im Jahr 2004 nochmals am Wettbewerb in Basel teilgenommen, diesmal mit dem sozialkritischen Gedicht ‚Glück auf', das das schwere Schicksal von Minenarbeitern thematisiert", erzählt die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin.
Obwohl sie auch für dieses Werk eine sehr gute Beurteilung erhielt, nahm Annegret Hollenhorst an keinen weiteren Wettbewerben teil. Zum einen, weil für die ausgestellten Gutachten inzwischen Kosten anfallen, zum anderen, weil der mit einer Wettbewerbsteilnahme verbundene Stress auf die Nerven schlägt: "Mir wurde das zu viel. Ich hatte das Bedürfnis, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Außerdem hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits so viel Selbstbewusstsein, dass es keiner weiteren Bestätigung durch etwaige Gewinne mehr bedurfte".
Das war nicht immer so. Früher, so die Lyrikerin, habe sie Geschichten und Gedichte oft zerrissen, damit niemand sie lesen könne. Inzwischen haben sich jedoch mehr als 200 Gedichte und auch Prosa-Texte angesammelt, und da diese offensichtlich zu gut gelungen sind, als dass man sie der Öffentlichkeit vorenthalten könnte, beschloss Annegret Hollenhorst, sich dem "Bentlager Kreis" anzuschließen, einer literarischen Vereinigung für Menschen, die sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit mit Lyrik, Prosa und Kunst beschäftigen,
"Geleitet wird der Literaturkreis vom Münchener Schriftsteller und Dramatiker Frank Sporkmann. Zwei- bis dreimal im Jahr treffen wir uns bei Workshops, um Texte vorzustellen und zu besprechen. Am Ende des Jahres veranstalten wir eine Lesung, außerdem wird ein Jahrbuch herausgegeben", so Annegret Hollenhorst. In den Jahrbüchern "Flutfuge" (2004) und "Mein kleines Welttheater" (2005) sind neben Gemälden und Texten fünf anderer Lyrikerinnen natürlich auch kleine Geschichten sowie Gedichte der Spexarderin abgedruckt. Diese handeln von Themen wie Ungerechtigkeit oder Begebenheiten aus der Vergangenheit, aber auch Naturgedichte oder Werke, die politische Geschehnisse behandeln, sind in ihrem großen Fundus vorhanden, "Aktuell ist es natürlich der Nahost-Konflikt, der mich beschäftigt; allerdings interessiere ich mich eher für die menschliche als für die politische Seite. Meine Inspiration ist der Alltag, daher kann es auch passieren, dass ich mitten in der Nacht aufstehe und meinen Block beschreibe. Den habe ich immer dabei", sagt Annegret Hollenhorst.
Der Wunsch, den die dreifache Mutter für ihre Zukunft hegt. dürfte vor allem alle Bewohner des Kreises Gütersloh erfreuen: Sie möchte nämlich gern ein Buch mit Anekdoten, Prosa und Gedichten rund um Gütersloh veröffentlichen, Diesen Plan hat Annegret Hollenhorst fest ins Auge gefasst, und das große Interesse sowie die positive Resonanz auf ihre Veröffentlichungen bestärken sie in ihrem Entschluss,
Am 10. Februar 2007 findet jedoch erst einmal die nächste Lesung des Bentlager Kreises statt. "Für diese Veranstaltung im Rietberger Heimathaus suchen wir übrigens noch einen Musiker, der uns begleiten mochte. Interessierte Saxophonisten oder auch Gitarristen dürfen gern Kontakt mit uns aufnehmen", verrät die Lyrikerin. Wem die Leseprobe, das Gedicht "Sommerabend", gefällt, der sollte sich die Lesung im Februar nicht entgehen lassen.


Westfälische Rundschau, 8.11.2005

Bentlager Kreis ist eine Vereinigung von Künstlern
Gruppe stellte ihr Jahrbuch mit Kurzgeschichten und Bildern vor

Hilchenbach-Allenbach. (is)
Fünf Künstler der literarischen 'Vereinigung "Bentlager Kreis" luden zur Lesung aus ihrem Jahrbuch in den Konventssaal des Gymnasiums Stift Keppel ein.

Mit viel Liebe und Tiefe trugen Fredus Roser, Marianne Levien, Maria Flender, Elisabeth Weller und Marianne Scholl-Kunz ihre Arbeiten vor - Gedichte vom Alltag, aus der Fantasie, von Natur, Liebe und den kleinen Weisheiten im Leben. In ihrer Lyrik und in ihren Kurzgeschichten finden sich unterschiedliche Stile zu einem Ganzen.
Marianne Levien zum Beispiel malt auch. Sie interessiert sich für das Verhältnis von Mensch und Tier, sodass ihre Geschichten oft Fabeln enthalten. Ansonsten lässt sie sich von vielen Dingen inspirieren. "Manchmal kommt eine Situation über mich, die kann ich nur verarbeiten, indem ich Kunst schaffe."
Auch Maria Flender ist Malerin. Kunst sei, Bilder im Kopf zu sehen und sie auszudrücken - entweder in Form von Sprache oder mit Farbe und Pinsel. Die Bilder der beiden Künstlerinnen, wie auch von Fredus Raser, sind im Jahrbuch enthalten.
Petra Klingemann malt ausschließlich. Ihre Bilder wurden während der Vorlesung auf die Leinwand projiziert.
Begleitet wurde die Vorstellung von dem Musikstudenten und Cellisten David Geis. Der Bentlager Kreis ist eine Vereinigung von Kunstschaffenden aus Literatur, Musik und bildender Kunst. Mitgründer ist Frank Sporkmann. Der Autor aus München wollte eine Plattform für Gleichgesinnte gründen, auf der die Künstler Kritik wie auch Motivation finden.


 

Westfalenpost, 8.11.2005

"Weh ist ausgegangen"

Buchpremiere des Jahrbuchs 2005 des Bentlager Kreises im Konventsaal von Stift Keppel

STIFT KEPPEL. (erw)
Für die Mitglieder der Sektion Keppel des Bentlager Kreises war es ein ganz besonderer Spätnachmittag.
Im Konventssaal von Stift Keppel stand die Buchpremiere "Weh ist ausgegangen" des Jahrbuches 2005 der Sektion Keppel des Bentlager Kreises vor einem großen Auditorium auf dem Programm.
Regie führte der aus München angereiste Schriftsteller, Dramatiker und Theaterkritiker Frank Sporkmann, der zu gleich auch der Mentor der Sektion Keppel ist.
Gegründet wurde die Sektion Keppel in 2004 als lockerer Zusammenschluss der sechs heimischen Künstlerinnen und Künstler Maria Flender, Petra Klingemann, Marianne Levien, Fredus Roser,
Marianne Scholl-Kunz und Elisabeth Weller aus den Bereichen Prosa, Lyrik. Malerei und Fotografie mit Anschluss an die Künstlervereinigung "Bentlager Kreis", zu der außer der Sektion Keppel auch noch die Sektionen Aachen, Berlin, Rheine und München zählen.
Die Künstlergruppe trifft sich etwa dreimal pro Jahr bei Workshops und bereitet unter anderem die Herausgabe des jeweiligen Sektions-Jahrbuches vor.
Bei einem Lyrik-Workshop in Bentlage bei Rheine unter der Leitung von Frank Sporkmann kam vor vier Jahren die Idee auf. eine Künstlervereinigung zu gründen, die es möglich macht, unabhängig von
Verlagen selbst als Künstler tätig zu werden und eine jährliche Herausgabe von Werken seiner Mitglieder zu bewerkstelligen.

Mitglieder willkommen

Es entstand der Name Künstlervereinigung "Bentlager Kreis".
Aus dem Jahrbuch brachten die Autoren Elisabeth Weller, Maria Flender sowie Marianne Levien und Fredus Roser eine Auswahl ihrer Werke vor einem sachkundigen Publikum zu Gehör.
Außerdem projizierte Frank Sporkmann Gemälde und Fotos von Marianne Levien, Petra Klingemann, Maria Flender und Fredus Roser auf eine Leinwand.
Oavid Geis untermalte die Buchpremiere mit musikalischen Stücken auf seinem Cello.
Weitere Mitglieder sind herzlich willkommen.

 


Siegener Zeitung, 9. November 2005

Eine besinnliche Reise
Bentlager Kreis im Konventssaal von Stift Keppel zu Gast

Allenbach. Mit künstlichem und echtem Kerzenlicht erleuchtet bot der barocke Konventssaal von Stift Keppel am Sonntag die perfekte Atmosphäre für eine Lesung der besinnlichen Art. Wer am späten Nachmittag allerdings zu spät kam, musste mit dem Parkettboden vorlieb nehmen, da sämtliche Stühle bereits besetzt waren. Viele waren gekommen, um die Premiere des Jahrbuchs 2005 des Bentlager Kreises Keppel zusammen mit den anwesenden Künstlern zu feiern. Unter dem Titel "Weh ist ausgegangen" offenbart das Werk zahlreiche Gedichte, Lyrik und abgebildete Malereien von Maria Flender, Petra Klingemann, Marianne Levien, Fredus Roser, Marianne Scholl-Kunz und Elisabeth Weller.
Der 2002 gegründete Bentlager Kreis ist eine solidargemeinschaftliche Initiative für künstlerisch tätige Menschen aus Literatur, bildender Kunst und Musik, die unter ihrem Mentor, dem Münchener Schriftsteller und Dramatiker Frank Sporkmann, für regelmäßige Publikationen sorgen. Keppel ist eine von fünf Sektionen, deren über dreißig Mitglieder sich mehrmals im Jahr zu Workshops treffen, um aktuelle Arbeiten vorzustellen, theoretisch zu vertiefen und kritisch zu diskutieren.
In Allenbach teilten sich im Wechsel die Lehrerin Maria Flender, die freischaffende Kunstmalerin und -lehrerin Marianne Levien, der Journalist Fredus Roser und die pharmazeutisch-technische Assistentin Elisabeth Weller die Aufmerksamkeit des Publikums, das gleichzeitig einen Blick auf die auf eine Leinwand projizierten Bilder der Künstler werfen konnte. Durchweg abstrakt gehalten ergänzten sich die Malereien ausgesprochen gut mit den ähnlich konzipierten Gedichten und Kurzgeschichten.
Inhaltlich umfasst die Sammlung mit Naturbeobachtungen, Lebensweisheiten und historischen Stoffen ein breites Spektrum und offeriert mit den individuellen Stilen viele Facetten.
Zwischen den vier Leseblöcken sorgte David Geis mit seinem virtuosen Spiel am Violoncello für eindrucksvolle musikalische Abwechslung. Dieses audiovisuelle Programm entführte die Besucher auf eine sinnliche Reise und reizte anschließend sicherlich zum Austausch mit Gleichgesinnten.


 

Siegener Zeitung, 29.Oktober 2005

Kontrapunkt - mehr als "nur" Musik

Mitglieder-Ausstellung des Kunstvereins Siegen im Haus Seel mit exakt 50 Teilnehmern

Siegen. "Kontrapunkt" - der Kunstverein Siegen hat die Themenstellung seiner aktuellen Mitgliederschau der Musik entlehn. Wo der Musiker an sich vielleicht - und verständlicherweise - ein etwas eindimensionales Verständnis dieses Begriffs haben wird, zeigen sich die exakt 50 bildenden Künstler, die diesmal an der alle zwei Jahre stattfindenden Mitglieder-Ausstellung teilnehmen, wie vielfältig, kreativ und spannend der "Kontrapunkt" interpretiert werden kann. Das geht freilich ganz gut mit Bezug auf die Tonkunst, sehr wohl aber auch mit gänzlich außermusikalischen Inhalten.
51 Exponate - Gemälde, Objekte, Skulpturen, Collagen, Fotografien - geben davon auf eindrucksvolle Weise in der Städtischen Galerie Haus Seel Zeugnis, wo die Schau am Donnerstagabend von Siegens stellv. Bürgermeister Jens Kamieth eröffnet wurde. Der Vorsitzende des Kunstvereins, Albrecht Thomas und Geschäftsführer Franz-Josef Weber, die einleitenden Worte sprachen, konnten sich über besonders reges Besucher-Interesse freuen - die Galerie platzte nahezu aus allen Nähten. Für die musikalisch-literarische Umrahmung sorgten Irmgard Schick (Gesang) und Friedhelm Schick (Klavier) sowie Siegrid Schwengber (Lesung eigener lyrischer Texte). Das Trio brachte einen wohldurchdachten, amüsanten und unterhaltsamen Block aus Lieder und Gedichten - "kontrapunktisch" angelegt wohlgemerkt, verlegten sich die Musizierenden doch auf positive, die Lesende aber auf negative Aspekte des Themas "Liebe".



Grafschafter Nachrichten, 15. September 2005

Ein Blick mit Hasenaugen in die Zukunft

LESUNG Hanspeter Zimmers Roman als Plädoyer für den Erhalt der Schöpfung
VON JÖRG LEUNE

NEUENHAUS - Hanspeter Zimmer hat am Freitag im Alten Rathaus aus seinem jetzt fertig gestellten Roman "Ladlehare" gelesen. Fünfzehn Jahre lang hat er am Epos vom Hasen, der in die Zukunft sieht, gearbeitet. Ladlehare (Löffelhase) lebt auf den Hügeln der südenglischen Grafschaft Hampshire.
Zimmer ist zu seinem Werk durch den 1972 erschienenen Bestseller "Watership Down" von Richard Adams angeregt worden. Der Lebensraum der Hasen und Kaninchen ist der gleiche wie bei Adams, Nachkommen der Protagonisten aus Adams' Buch rufen wiederholt die Geschichten ihrer Vorfahren ins Gedächtnis.
Aber "Ladlehare" ist mehr als eine Fortsetzung von "Watership Down". Hanspeter Zimmer hat die Landschaft Hampshires immer wieder bereist. Und er ist ein überzeugter Verfechter eines sanften Tourismus. Bei den Exkursionen in die südenglischen Downs war er immer zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs. Von seinen Zeichnungen und Bildern kennt man Zimmer als sehr genauen Beobachter. Und diese Beobachtungsgabe zeigt er auch im Romantext.
Gleich im ersten Kapitel ist der Autor als "stiller Mann" Ladlehare begegnet, hat lange dem Hasen gegenüber im Gras gesessen und nach Watership Down hinübergeschaut. Dieses lange Sitzen und Schauen, schlägt sich in den äußerst detaillierten und plastischen Landschaftsbeschreibungen nieder, die ein besonderer Vorzug des Romans sind. Im Anhang seines Buches ergänzt Zimmer diese Beschreibungen durch einen Genauen geographischen Kommentar und liefert dazu Informationen über Wander- und Unterkunftsmöglichkeiten in den Downs einschließlich der entsprechenden Ordnance Survey-Wanderkarten. Genau so gründlich wie er beobachtet hat der Autor das Verhalten der Hasen und Kaninchen studiert. Und insofern ist "Ladlehare" auch eine erzählende Verhaltenslehre dieser vom Aussterben bedrohten Tiere. Gelegentlich wird die Handlung durch theoretische Absätze unterbrochen. Diese wirken dann allerdings etwas störend.
Der Schutz der Umwelt ist Hanspeter Zimmer das wichtigste Anliegen in seinem Buch. Zu 16 der 28 Kapitel des Romans gibt es jeweils einen Anhang, in dem die Romanhandlung mit bitteren Nachrichten über vom Menschen verursachte Umweltzerstörung in ihren vielfachen Formen verknüpft wird. Zwei Bibelzitate am Anfang und Ende des Romans verweisen darauf, dass statt "Umwelt" eher "Schöpfung" zu lesen ist. In der Schöpfung hat jedes Wesen seinen Platz. Heute wird ihm dieser Platz von Menschen bestritten.
Im fünften Kapitel "Die Geschichte der Hasen" träumt Ladlehare in einer Bilderreihe den historischen Wandel im Verhältnis Mensch und Tier bis in die heutige Zeit. Heute ist die Jagd vielfach nur noch eine sinnentleerte Form, für die im Englischen die entlarvende Bezeichnung "Blood Sports" verwendet wird.
Insgesamt wild das Buch in diesen Passagen, sicherlich Kritik hervorrufen. Gelegentlich scheinen die apokalyptischen Visionen allzu sehr die Oberhand zu gewinnen. Ist der Mensch wirklich nur der Feind der Tierwelt? Ist nicht die von den Hasen und Kaninchen geschätzte Lebenswelt auch ein Produkt menschlicher Kultur? Ist das ökologische Bewusstsein nicht heute anders als vor vierzig Jahren weit verbreitet? Aber trotz der bedrohlichen Visionen enthält "Ladlehare" auch breite Ansätze für Hoffnung. Der Autor setzt diese Hoffnung insbesondere auf die Kinder. Sie haben das Verständnis für die bedrohte Tierwelt, das so vielen Erwachsenen fehlt. Und "Ladlehare" ist ein spannendes Buch. Der Weg der Tiere in eine bessere Zukunft, die sie im Westen suchen, ist eine Abenteuergeschichte, die zu lesen sich lohnt. Eine Abenteuergeschichte, die freilich nachdenklich macht. Die Weit wird mit den Augen der Tiere gesehen. Ebenfalls aus deren Perspektive wird die Umwelt auf den zehn feinfühligen Zeichnungen dargestellt, mit denen Hanspeter Zimmer das Buch ausgestattet hat.

Hanspeter Zimmer, Ladlehare, Ein Hase sieht in die Zukunft. Norderstedt (Books on Demand Verlag), 328 Seiten. 19,90 Euro. ISBN 3-8334-30079


Dorstener Zeitung / Lesung 20. November 2004


Naturlyrik und beißender Spott
Gäste durften bei Heuwing auf den Teppichen sitzen

Dorsten. Lyrik auf dem Teppich: Das war am Samstag im Teppichhaus Heuwing durchaus wörtlich zu nehmen. Denn einige der mehr als 30 Gäste durften auf den Teppichballen Platz nehmen.
Fünf Lyrikerinnen aus dem „Bentlager Kreis“ (Sektion Aachen) stellten in der Teppichgalerie ihr kreatives Schaffen vor. „Wir brauchen das Echo der Menschen, denen wir unsere Texte vortragen“, so Siegried Schwengber zu Beginn, die den Kreis vorstellte.
2002 wurde der Kreis Bei Rheine gegründet und ist eine Vereinigung von 30 Frauen und 2 Männern, die sich mehrmals im Jahr zu Workshops treffen.
„Dabei ist dann immer unser Mentor und härtester Kritiker, der Münchener Schriftsteller und Dramatiker Frank Sporkmann“, so Schwengber. Doch nicht nur die praktische Arbeit steht bei diesen Workshops auf dem Programm sondern auch die Beschäftigung mit der Theorie: „Wir wollen wissen, was wir da genau tun.“
Zu sechs Themen stellen die Damen ihre Lyrik vor: „Feststellungen“, „Herbstimpressionen“, „Natur“, „Alltägliches“, „Beziehungsweise“ und „Heiter und Bissig“.
Annegret Hollenhorst verriet in „Morgenschwere“, wie hart es sein kann, morgens aus dem Bett zu kommen. Marianne Krügers Steckenpferd ist die Natur-Lyrik, etwa über „Sonnenblumen“ oder das „Töwerland“. Bettina Kutta und Brigitte Schulze lobten die Schönheit des Herbstes, während Annegret Hollenhorst in „Herbstdepressionen“ ihre Probleme mit der dunklen Jahreszeit nicht verhehlen konnte: „Ich bin ein Sonnenkind. Wie kann man sich nur mit der Dunkelheit verbünden?“
Siegried Schwengber antwortete Hermann Hesse aus sein Gedicht „Etwas ganz Allgemeines auf die Weiber“ mit beißendem Spott. Es gäbe ja auch nur zwei Sorten von Kerlen: „Verlässliche und Hässliche“ und „Götterboten“. Die ersten zeichneten sich durch fehlende Romantik aus „Er gab ihr einmal Liebeszeichen. Das muss für’s ganze Leben reichen.“ Bei Zweiten, die bewandert in der Kunst der Liebe seien, gäbe es ein anderes Problem: „Die Sache hat nur einen Haken, sie treiben es auch auf anderen Laken.“
Vom Publikum gab es – wie auch für das Gitarrenspiel von Rolf Tönnes – reichlich Beifall. (ber)


DIE GLOCKE (Lokalredaktion Ennigerloh), 9. November 2004

Leselust und Hörvergnügen
Mit Hendrix Gitarre spielen, mit Sartre tanzen

Ennigerloh (Lau). Die Tragik des Lebens, worin könnte sie liegen? Vielleicht in der Muse, mit weiter Bluse und viel Geschmuse? Denn die kocht letztendlich am Herd doch nur Marmelade. Schade. So einfach können die schwierigen Fragen des Lebens manchmal sein. Zumindest, wenn man in die Gedichte von Siegrid Schwengber eintaucht. Die Journalistin und Lyrikerin aus Siegen, trug am Freitag in der Alten Brennerei 29 Gedichte aus ihrem Programm "Wenn ich die Wahl hätte..." vor und entführte damit die Zuhörer in ihre poetische Welt.
Diese Welt besteht aus allem, was das Leben zu bieten hat: Liebe und Lust, Trauer und Tod, Träume und Männer. Eigentlich sollte Schwengber ein Saxophonist zur Seite stehen, denn immerhin heißt die neue Veranstaltungsreihe in der Alten Brennerei "Leselust und Hörvergnügen". Doch der Musiker fiel kurzfristig aus, was sich jedoch nicht negativ bemerkbar machte, da den Zuhörern ein adäquater Ersatz geboten wurde. Die Ennigerloherin Marita Koch begleitete die Autorin auf der Querflöte und erntete dafür viel Applaus.
Das Zusammenspiel zwischen Traum und Realität stand oftmals im Mittelpunkt der Gedichte von Siegrid Schwengber. Eine große Verführerin zu sein, Männer zu verschlingen, noch und nöcher - das hätte was. Mit Jimi Hendrix Gitarre zu spielen, JFK zu treffen und mit Sartre im Moulin Rouge zu tanzen - das hätte was. Oder? Ziemlich genau in der Mitte von Schwengbers poetischem Programm stand ihre eigene Interpretation des "Froschkönigs". Das Gedicht zeigt die bekannte Märchenfigur einmal von einer ganz anderen Seite. Denn der Froschkönig ist nach dem erlösenden Kuss ein ganz anderer als erwartet. So wie vielleicht viele Träume? Schwengber ließ diese Frage offen, gab jedoch den Rat, das Leben einfach zu leben. Die Worte der Autorin machten deutlich: Das Leben ist oft genug ein Grund zur Freude, nicht zuletzt durch die Liebe. Und bei all der Farbenpracht, in der Gott die Welt geschaffen hat, ist dem Herrn ein wahres Meisterwerk gelungen - das Rot der Liebe.
Siegrid Schwengber war nach 90 Minuten Lesung sichtlich begeistert von dem konzentrierten Ennigerloher Publikum. So mache eine Lesung Spaß, freute sich die Lyrikerin und versprach, bestimmt mal wieder zu kommen.


Siegener Zeitung, 27. Oktober 2004

"Flutfuge": Texte vom Leben
Bentlager Kreis legt Jahrbuch vor / Zwei Siegenerinnen dabei

"Flutfuge" heißt das erste Jahrbuch der Aachener Sektion des Bentlager Kreises, in dem sich 23 Mitglieder , freischaffende Künstler aus den Bereichen Literatur, bildende Kunst und Musik zusammengefunden haben. Sie treffen sich dreimal pro Jahr, um gemeinsam mit ihrem "Betreuer", dem Münchner Autor und Dramatiker Frank Sporkmann, ihre neuesten Arbeiten vorzustellen, kritisch zu durchdenken, theoretisch zu vertiefen und gegebenenfalls zu überarbeiten. Der Bentlager Kreis versteht sich als offene Initiative für künstlerisch tätige Menschen aus allen Altersstufen und Berufen (die SZ berichtete).

Aus dem heimischen Raum gehören die Journalistin Siegrid Schwengber und Anne Michel zum Bentlager Kreis. Auch sie haben, neben Sigrid Bayer, Magdalene Elischewski, Annegret Hollenhorst, Bettina Kutta, Marianne Krüger und Brigitte Schulze in der 106 Seiten starken "Flutfuge" (Books on Demand, Norderstedt) verschiedene Texte veröffentlicht. Diese Sammlung, so der ebenso poetische wie sperrige Titel, unternimmt den Versuch, wenigstens im Text, im Wort das Unhaltbare zusammenzufügen, wenn es schon in der Realität nicht gelingt. Oder beschreibt der Titel den Versuch, die Fülle des Stoffs, der sich aus Lebenseindrücken und -erfahrungen ergibt, durch sprachlich ordnende Distanz zu fassen?

Wie dem auch sei: Die Sammlung ist mehr als ein "Versuch", auch wenn nicht alle Texte, Gedichte und Prosagedichte von gleicher Qualität sind. Die Texte (ergänzt um einige illustrierende Bilder von Anne Michel) spiegeln die Zerrissenheit des Lebens wider, zeichnen das Ringen um Lebenssinn und
-richtung nach, ohne dabei allerdings melodramatisch oder larmoyant zu werden, laden den Leser zur Teilhabe an ihren Erlebnissen und Erfahrungen ein. Nicht bemüht, sondern als selbstverständliche Mitteilung.

Bei manchen Texten ahnt man, dass diese Selbstverständlichkeit mühsam erarbeitet ist ("Maja kann fliegen" von Bettina Kutta, "Hunger" von Magdalene Elischewski oder "Ein bewegtes Leben" von Brigitte Schulze): Sie beschreiben den Verlust einer Lebensmitte, aus der Distanz und der Betroffenheit des Mit-Erlebenden. Andere wiederum sind unmittelbar aus einer bewegenden Kriegs-Situation heraus entstanden, wie Marianne Krügers Gedicht zum "20.März 2003" (sie ist ansonsten mit stimmungsvollen und lyrischen Naturgedichten vertreten) oder Annegret Hollenhorst "Merhaba Shalom". Sigrid Bayer gelingt es, die Wehmut des endgültigen Abschieds von Geborgenheit und Jugend in ein Vielleicht zu verwandeln ("Das Haus im Rosengarten").

Anne Michel fasst, getragen von ihrer christlichen Grundüberzeugung, die Verzweiflung angesichts des Elends und des Leides auf der Welt in ein Gebet ("O Gott"), das auch die häufig gespürte Hilflosigkeit des Beters thematisiert. Siegrid Schwengber nutzt, sprachlich eindrücklich, ironisch gebrochen die alte Form des naiv scheinenden Kindergebetes "Lieber Gott, lass mittwochs mich doch Mond sein", um der unerträglich werdenden Lähmung durch die Gewalterfahrung (und sei es nur als Zeuge) Herr zu werden oder spießt mit spitzer Zunge und bissiger Pointe die Pose eines Herrn Hesse und seiner "Ganz (all-)gemeinen" Ansicht "über Weiber" auf: "An Hesse" heißt es knapp und bündig. - Auf manche Fortsetzung kann man gespannt sein.

Dr. Gundhild Müller-Zimmermann


Bentlager Kreis gründet Sektion Keppel

Siegen/Hilchenbach, 8. Juli 2004 - Die Künstlervereinigung "Bentlager Kreis" hat kürzlich nach einem Lyrik-Workshop in Hilchenbach mit der "Sektion Keppel" ihre dritte Sektion gegründet. Zur Zeit haben sich in dieser Gruppe fünf Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Lyrik, Prosa, Malerei und Fotografie zusammengeschlossen. Während des dreitägigen Workshops unter Leitung des Schriftstellers Frank Sporkmann standen Lyrik-Theorie, die Arbeit an den eigenen Texten sowie ein literarischer Exkurs zum Thema Friedrich Hölderlin auf dem Programm. Wie auch die beiden anderen Sektionen des Bentlager Kreises (Rheine und Aachen) wird sich diese Gruppe künftig dreimal pro Jahr zu Workshops treffen und u.a. auch die Herausgabe eines Jahrbuches vorbereiten. In Kürze wird die neue Sektion Keppel auf der homepage des Bentlager Kreises (www.bentlager-kreis.de) mit künstlerischer Vita sowie Werkproben der Mitglieder vertreten sein. Die Sektion ist weiterhin offen für Interessenten ( Auskunft elisabeth-weller@gmx.net).


Westfälische Rundschau, 16. Juni 2004

Siegrid Schwengber las "Em aale Huus": Reizvoller Abend

Hilchenbach-Allenbach. Eine Kerze, eine blaue Wasserflasche auf dem Tisch, gedämpftes Licht im alten Saal - die rechte Atmosphäre für eine Dichterlesung. "Manchmal", wird die Siegenerin Siegrid Schwengber später sagen, "manchmal passieren mir zwei, sogar drei Gedichte am Tag."
Eine Auswahl trug sie "Em aale Huus" in Allenbach vor. Ihre "Gedichte zum Denken und Fühlen" stießen spontan auf Gegenliebe bei den rund 30 Zuhörern. Melancholisch, oder auch überraschend frech, bereiteten ihre Werke im Verein mit der Begleitung durch den Saxophonisten Wolfgang Molinski einen reizvollen Abend.
Vieles von dem, was Siegrid Schwengber manchmal frei, manchmal formal strenger in Metrum und Reim ersann, lässt sich nachempfinden: "Wenn ich die Wahl hätte / dann würde ich aus einem Ballon / die Welt von oben betrachten. / Den kleinen Miesepetern da unten / schüttete ich einen Schwall / von herzhaftem Lachen aufs Haupt"...
Für die langjährige IHK-Sprecherin, die heute im Ruhestand lebt, war und ist Lyrik "das überlebensnotwendige Gegengewicht zur Sachlichkeit des Wirtschaftsjournalismus". Ursprünglich waren ihre Gedichte nicht für andere bestimmt. Doch als eines würdig befunden wurde, in eine Anthologie der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes aufgenommen zu werden, schöpfte sie Mut. Zu Recht.

Klaus-Peter Eilert


Grafschafter Nachrichten vom 4. Juni 2004

Auf der Suche nach intakter Umwelt
Lesung von Hanspeter Zimmer mit Musik im Kunstverein

Neuenhaus - Der in Neuenhaus lebende Hanspeter Zimmer ist der Öffentlichkeit bisher nur als feinsinniger Zeichner und Maler bekannt geworden. Seit einiger Zeit versucht Zimmer sich auch auf literarischem Gebiet. Er ist Mitglied des seit zwei Jahren bestehenden Bentlager Kreises, der regelmäßig Lyriktreffen veranstaltet und im vergangenen Jahr ein erstes kleines "Windsänger"-Jahrbuch vorgelegt hat. Das Büchlein enthält im wesentlichen Lyrik der acht Mitglieder der Sektion Rheine des Bentlager Kreises, daneben aber auch fünf Kapitel des Romans "Ladlehare" (Löffelhase), an dem Hanspeter Zimmer zurzeit arbeitet.
Der englische Titel ist Hinweis darauf, dass Zimmer zu seiner Arbeit durch den 1972 erschienenen Bestseller "Watership Down" ("Unten am Fluss", 1975) von Richard Adams angeregt wurde. "Watership Down" erzählt die Auswanderung eines Kaninchenvolkes aus seinem bedrohten Lebensraum in die Freiheit der Hügellandschaft von Hampshire.
In der vergangenen Woche hatte Zimmer zu der Lesung einiger Kapitel aus seinem Roman in die Räume des Kunstvereins Graftschaft Bentheim eingeladen. Die Zuhörer erlebten einen Autor, der seine Texte engagiert vortrug. Besonders die Landschaftsschilderungen, die größtenteils auf eigener Kenntnis der Lokalität beruhen. Aber auch die Einblicke in die Gefühlswelt der vom Menschen bedrohten Tiere hinterließen ihren Nachhall bei den Zuhörern. Nicht ganz deutlich wurde allerdings der Untertitel des Werkes "Der Hase, der in die Zukunft schaut".
Zimmer versuchte in seiner Lesung, den Zuhörern unsere ökologischen Probleme aus der Perspektive ihrer Opfer nahe zu bringen. Da gelingt es Kaninchen und Hasen gerade noch, eine lebensgefährliche Situation zu meistern; aber immer wieder sind auch zentrale Gestalten der Handlung als Opfer zu beklagen. Insgesamt sieht die Zukunft des Tiervolkes zwar düster aus, und doch vermittelt der Autor kleine Hoffnungsschimmer, die der Natur entspringen.
Die Lesung war in ungewöhnlicher Weise musikalisch unterlegt. Die Musikstudenten Malte Schiller (Saxophon und Bassklarinette) und Moritz Sembritzki (E-Gitarre) vermittelten nicht nur zwischen den Kapiteln die neu entstehende Stimmung, sondern musizierten gelegentlich auch synchron zur Lesung. Sembritzki spielte die E-Gitarre so zart wie ein akustisches Instrument, Schiller setzte abwechselnd das Saxophon für Naturschilderungen und die tiefe Klarinette für die bedrohliche Zivilisation ein. Die textangemessene Komposition der beiden und das fein abgestimmte musikalische Miteinander machten einen wesentlichen Teil der Wirkung dieser Veranstaltung aus.

Jörg Leune


Fuldaer Zeitung vom 12.Januar 2004

Bentlager Kreis brachte mit "Windsänger" sein erstes Jahrbuch heraus
Lesung im "Ulenspiegel"

„Schreiben ist – wie vor dem Spiegel stehen und sich zum ersten Mal selbst richtig sehen“, bekennt Christa Ohlandt im ersten „Windsänger“, einem Jahrbuch, das jetzt in der Buchhandlung „Ulenspiegel“ vorgestellt wurde. Sie gehört zu den acht Autoren, die sich vor zwei Jahren in Bentlage bei Rheine zum „Bentlager Kreis“ zusammengeschlossen haben.
Die Künstlervereinigung Bentlager Kreis ist eine nachahmenswerte Idee. Hier treffen sich Menschen, die gern schreiben, in einer Schreibwerkstatt, um sich intensiv und unter kompetenter Anleitung mit ihren Texten zu beschäftigen.
Zur Zeit kommt die Gruppe dreimal im Jahr zusammen, liest und wohnt in Klöstern. Begleitet werden die Sitzungen von Frank Sporkmann, dessen neues Theaterstück „Der Weltveränderer“ am 25. Februar in München Premiere hat.
Wie der Dramatiker erzählte, kommen die Teilnehmer aus ganz Deutschland, eine zweiten Kreis gibt es im Raum Aachen. „Wir arbeiten nomadisierend.“ Nach der Gründung vor zwei Jahren wuchs der Wunsch zu publizieren. Heute Lyrik unterzubringen, sei eine Sisyphusarbeit, meinte der Schriftsteller. Eine Gruppe hat damit kein Problem. Für einen geringen Beitrag wurde der erste Band mit dem Titel „Windsänger“ herausgegeben, der nächste ist in Arbeit. Neue Mitglieder sind erwünscht und können sich unter www.bentlager-kreis.de informieren, auch Wochenenden zum Kennenlernen sind geplant.
Bei ihrer Lesung stellten Heide Boehm, Erica Crato, Eva-Maria Heiland, Anna-Elise Kentner, Christa Ohlandt und Doris Weckherlin Gedichte, Prosa und ein kurzes Hörspiel vor. Frank Sporkmann las für die abwesenden Autoren, Gunther Lorz übernahm den musikalischen Teil.
Inhaltlich waren die Themen breit gestreut. Teils Lebensweisheiten:“Ich werde damit leben, dass ich dem steten Wandel unterliege“, teils Naturbeobachtungen oder historische Stoffe wurden aufgegriffen. Eine Geschichte über Jussuf, den Berber, ein Prosastück über das Wort – eine Auswahl unterschiedlichen Anspruchs, wobei immer wieder gelungene Texte hervorstachen und nachdenklich machten. Ein Abend, der Mut machen sollte zum Beschäftigen mit dem Wort, zum Austausch mit Gleichgesinnten. Wie Frank Sporkmann im Vorwort schreibt, ist dieser Band als Geschenk gedacht, das die Leser „begeistern, inspirieren und berühren“ möchte.



Westfälische Rundschau vom 15. Januar 2004

Bentlager Kreis ist offen für neue Leute

Literarisch Schaffende sind „Einzeltäter“: Prosa oder Lyrik entstehen meist in einsamen Dichterstübchen. Der polnische Dichter Stanislaw Jerzy Lec allerdings meinte: „Der einsame Sucher in der Wüste – würde er sich umschauen, sähe er viele einsame Sucher in der Wüste“. Genau dieses Umschauen ist die Basis des „Bentlager kreises“, eines Zusammenschlusses von schöpferisch Tätigen. Die Siegener Journalistin Siegrid Schwengber gehört dazu.
WR: Wie ist der Kreis entstanden, wie groß ist er und seit wann sind Sie dabei?
Schwengber: Diese Vereinigung ist vor zwei Jahren aus einem Workshop mit dem münchener Schriftsteller und Dramatiker Frank Sporkmann hervorgegangen. Der fand auf in Bentlage bei Rheine statt – daher der Name. Es gibt 18 Mitglieder, 17 Frauen und einen Mann. Die Teilnehmer sind zwischen 35 und 75 Jahren alt und kommen aus vielen Berufen: Ärztin, Apothekerin, Ökotrophologin, Leute aus dem kaufmännischen oder pädagogischen Bereich. Ich selbst bin seit einem Jahr Mitlied. Aus siegen ist auch noch die Schriftstellerin und Malerin Anne Michel dabei.
WR: Wie funktioniert die Zusammenarbeit konkret?
Schwengber: Wir treffen uns drei Mal pro Jahr zu Workshops. Der nächste findet vom 5. bis 8. Februar im Haus Keppel in Hilchenbach-Allenbach statt. Dabei gibt es immer ein Generalthema – diesmal „Ingeborg Bachmann“. Außerdem geht es bei diesen Treffen um die gemeinsame Auseinandersetzung mit eigenen Texten. Im Spätsommer 2004 soll außerdem ein Jahrbuch mit eigenen Beiträgen erscheinen.
WR: Ist dieser Bentlager Kreis offen für neue Interessenten?
Schwengber: Ja. Nähere Informationen zum Februar-Workshop gibt es bei mir: Tel 0271/53880. Es gibt auch eine homepage mit zahlreichen Informationen www.bentlager-kreis.de


Siegener Zeitung vom 4. Februar 2004

Von Wörtern, Taten und Gedichten
Siegrid Schwengber, der Bentlager Kreis und ein Workshop in Stift Keppel

„Vergiss nicht, dass ein Satz eine Tat ist“. Diese Warnung Saint-Exupérys, der (wie andere auch) vor Erfindung der „handlungsorientierten Grammatiken“ die Wirkung des Wortes auf den Punkt gebacht hat, hat Siegrid Schwengber ihr ganzes Berufsleben lang begleitet. Als langjährige Pressereferentin der Industrie- und Handelskammer Siegen weiß sie um Bedeutung und die Wirkung von Gesagtem, Gedrucktem und Veröffentlichtem. Vielleicht ist es deshalb nicht verwunderlich, dass sich Siegrid Schwengber nach dem Eintritt in den Ruhestand auch weiterhin der Verantwortung des Wortes stellt – und Gedichte verfasst.
Das hat sie im Laufe ihres Lebens immer wieder gemacht, wie sie im Gespräch mit der Siegener Zeitung erzählt, aber erst seit kurzem geht sie damit in die Öffentlichkeit. Auf Anraten eines Bekannten hat sie eine Arbeit an die Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes geschickt, die ihre Arbeit auch sofort in ihre Anthologie aufnahm. Ermutigt durch diese Erfahrung schrieb sie sich in einem Lyrik-Workshop ein, um ihr theoretisches und praktisches Rüstzeug zu vertiefen. Auf den ersten Workshop folgte ein zweiter und daran anschließend die Entscheidung, eine Aachener Sektion des Bentlager Kreises zu gründen (Aachener Sektion, weil der Workshop in Aachen stattfand). Aus ganz NRW kommen die Wort-Begeisterten im Alter zwischen 35 und 75 Jahren, die zumeist neben ihren höchst unterschiedlichen Berufen schreiben.
Unter der Ägide von Autor Frank Sporkmann treffen sich die „Aachener Sektionisten“ regelmäßig zu Workshops, um über ihre Lyrik und die Prosatexte zu sprechen. Ein erstes Jahrbuch ist in Arbeit, es soll im Herbst erscheinen und wird beim nächsten Workshop in Stift Keppel ein Thema sein (vom 5. bis 8. Februar – Informationen und Kontaktadressen sind auf der Internetseite www.bentlager-kreis.de zu finden). Außerdem stehen Texte von Ingeborg Bachmann „auf dem Programm“ und die überaus wichtige Frage, was Verantwortung für den eigenen Text heißt.
Abgesehen von der ethischen Dimension hat diese Frage auch eine ästhetische. Siegrid Schwengber hat beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass manche Gedichte „einfach passieren“, dass sie ihr „aus der Hand fallen“. Daran schließt sich dann die Reflexion über das Geschriebene an – auch unter literarischen und formalen Gesichtspunkten (auch wenn sie deshalb den Text dabei nicht immer verändert).
Dass ihr „Gedichte passieren“, heißt ja nur, dass sich Siegrid Schwengber offenbar mit etlichen Themen so beschäftigt, dass sie sie – bewusst oder unbewusst – „im Kopf“ schreibt, bevor sie sie zu Papier bringt. Dabei ist die Bandbreite ihrer mal frei, mal formal streng aufgebauten Lyriktexte sehr breit: Manche sind witzig und „respektlos“, entlarven mit mehr als einem Augenzwinkern Attitüden, Befindlichkeiten und Posen großer und kleiner Helden, großer und kleiner Angeber des Alltags. Andere wiederum sind sehr melancholisch, reflektieren die Endlichkeit von Gefühlen, die einhergeht mit einer unstillbaren Sehnsucht nach Unendlichkeit. Manchmal gelingt es ihnen in letzter Sekunde, einen Schimmer Zuversicht zu formulieren. Andere wiederum beschreiben das Problem der Kommunikation und das Entsetzen über Sprachlosigkeit, in seinen verschiedenen Erscheinungsformen.
Der Austausch innerhalb ihrer Arbeitsgruppe hat sie auch ermutigt, neue Themen und Textformen auszuprobieren. So hat sie beispielsweise ein Gedicht, das ihr bei einem Besuch in der Münchner Residenz in den Sinn kam, um einen Prosatext ergänzt, um auch die Erfahrungen zu formulieren, die das Gedicht gesprengt hätten. Auch Lautgedichte und visuelle Gedichte hat sie gemacht.
Dr. Gunhild Müller-Zimmermann